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Massive Ernteverluste an der Müritz – Auch Futter für die Tiere wird knapp

22. Juli 2018

Es sieht mies aus auf den Feldern der Müritz-Region und die Aussichten sind auch nicht besser: Der Bauernverband Müritz zieht eine Zwischenbilanz zur diesjährigen  Erntesituation in der Müritz-Region. Eine sehr traurige Bilanz.
War im vergangenen Jahr um diese Zeit gerade einmal die Wintergerste abgedroschen, weil der Sommer 2017 total verregnet war, so stellt sich die Lage im Dürrejahr komplett andersherum dar.

Vorsitzender Thomas Diener kann sich nicht erinnern, jemals so früh, nämlich schon Ende Juni, mit der Ernte der Wintergerste begonnen und innerhalb einer Woche überwiegend abgeschlossen zu haben. „Dies ist kein gutes Zeichen. Die Erträge liegen aufgrund des fehlenden Niederschlages in unserer Region zwischen 30 und 50 Prozent unter den langjährigen Durchschnitten und liegen um die 50 dt je Hektar. Dazu kommt ein hoher Anteil Kümmer- und Schmachtkörner“.

Schon Mitte Juli startete die Raps- und Weizenernte, teilweise nach Reifegrad auch parallel in den Betrieben. „Einige Flächen mussten aufgrund der Dürre quasi notgeerntet werden, auch hier gibt es hohe Verluste von rund 30 Prozent beim Raps, das entspricht Erträgen von unter 30 dt je Hektar. Bei Winterweizen liegt der Verlust zwischen 20 bis 60 Prozent , was Erträgen von rund 55 dt je Hektar entspricht.

Positiv hingegen scheinen sich die Qualitäten sowohl beim Raps über einen höheren Ölgehalt als auch beim Weizen im Hinblick auf die Backqualität zu entwickeln. „Diese Durchschnittszahlen dürfen aber nicht darüber hinweg täuschen, dass gerade in einigen Teilen der Müritz-Region mit sandigen Böden auch Ertragsverluste von 80 Prozent zu finden seien“ so Thomas Diener.

Ertragseinbußen betreffen sogar den auf Sandböden verstärkt angebauten Roggen, angebautes Sommergetreide enttäuscht flächendeckend. Besonders schlimm sieht es auf dem Grünland aus, dort fehlen auf den Mineralböden bisher ebenfalls 70 Prozent Ertrag. Viehhaltern fehle es schon jetzt absehbar an Futter in Form von Grassilage, Heu und auch Stroh; ein Abschmelzen der Tierbestände zeichnet sich ab, zumal Zukauffutter deutlich teurer werden wird.

Kein Futter für die Tiere

Beim Mais, der in diesem Frühjahr verstärkt angebaut wird, weil aufgrund der Nässe im vergangenen Herbst weniger Winterweizen gedrillt werden konnte, zeichnen sich Verluste von 20Prozent bis hin zu nahezu Totalausfällen auf Sandböden ab. Hier ist ganz offensichtlich die Spannbreite besonders groß und wird sowohl Tierhalter als auch Betreiber von Biogasanlagen in Bedrängnis bringen.

„Ein Austausch hierbei wird in den meisten Fällen nicht gelingen, da weite Teile von Nordeuropa unter dieser extremen Trockenheit leiden und bisher kein Regen in Sicht ist. Viele Betriebe werden unverschuldet in Not geraten, im Jahr 2016 hatte starker Frost viele Bestände abfrieren lassen, im Jahr 2017 brauchte man während der Ernte durch den vielen Regen fast schon Rettungsboote, und im Jahr 2018 führt die Dürre zu einer Missernte, begleitet durch viele Feldbrände“ so der Vorsitzende des Bauernverbandes Müritz.

„Die offensichtlichen Verschiebungen im Klima und verstärkt auftretenden Wetterextreme können wir als Landwirte nicht alleine tragen und ausbaden, das können wir auf Dauer nicht durchstehen“, so Thomas Diener.

Die Bundes- und Landesregierung müssen also schnell reagieren.

Bedanken möchte sich der Vorsitzende des Bauernverbandes bei den Einwohnern und Urlaubern, die in diesen Tagen besonders viel Rücksicht nehmen müssen, weil auf den Straßen viele Erntefahrzeuge unterwegs sind und vielerorts auch bis in die nacht hinein gearbeitet wird. „Ein ganz besonderer Dank geht von uns Bauern an die Feuerwehr, die leider schon mehrfach zu Feldbränden ausrücken musste“, so Thomas Diener gegenüber „Wir sind Müritzer“.


5 Antworten zu “Massive Ernteverluste an der Müritz – Auch Futter für die Tiere wird knapp”

  1. Kerstin Schäfer sagt:

    Die Bauern jammern immer und schreien nach Subventionen. Was ist mit all den anderen die wegen der Hitze auch zusehen müssen wie sie lang kommen. Wir als kleiner Reitbetrieb müssen den Unterricht zum Schutz der Tiere auch ausfallen lassen und müssen Heu auch überteuert zu kaufen. Und wir können keine Subventionen erwarten.

  2. Mandy sagt:

    So wie meine Vorschreiberin sehen es viele.

  3. Sveni sagt:

    Ich verstehe dieses Gejammer auch nicht. Jeder Unternehmer trägt, in welcher Form auch immer, ein Risiko. Und die Einzigen, die nach Hilfe von der EU schreien, sind unsere armen Landwirte.
    Auch stellt sich mir, in jedem Frühjahr und Herbst, die Frage „Wer kommt für die Reinigung der durch landwirtschaftliche Geräte verschmutzten Fahrbahnen auf.?“. Meist wird gewartet,. bis Regen und Wind das übernommen haben. Selbst ein Verkehrsschild für „Verschmutzte Fahrbahn“ kann nicht aufgestellt werden.

    • Hermann W. sagt:

      Und zum größten Teil auch noch ohne Ernteausfälle Millionen an Subventionen kassieren. Aber da sorgt schon die Partei mit dem „C“ dass ihre Klientel gut versorgt wird. Siehe auch „Wikipedia Klientelpolitik“.

  4. Elimar sagt:

    Seit das Landwirtsdchaftsmisisterium zwischen 2005 und 2008 durch einen H. Seehofer geführt wurde, wurden europäische Umwelt- und Tierschutzstandards gekippt oder die Umsetzung ausgebremst. Damals gab es keinen Aufschrei. Folge: In Deutschland wird europaweit Fleisch am Billigsten produziert, mit verheerenden Folgen. Zu nennen sind Umwelt: Phosphateintrag in die Gewässer, unsere Gesundheit: Nitratbelastung des Grundwassers, Tierwohl: für das de facto nichts getan wird. Neuerdings, das Ministerium ist nun nicht mehr in CDU- sonden in CDU-Hand, geführt von der attraktiven, blondierten Frau Klöckner), sollen sogar Leute, die sowas „illegal“ filmen, hart bestraft werden. Der Überbringer der Nachricht also. Und immer so weiter. Wer glaubt, sich mit Alpenmilch von glücklichen Kühen was Gutes zu tun, soll mal ins Allgäu fahren. Das satte Grün der stark beweideten Almen, die die gesamte Landschaft einnehmen, kommt nicht von nichts. Sie stinken fast das ganze Jahr nach Unmengen Gülle, die mangels Straßen per Rohrleitungen auf die Bergkämme gepumpt wird und dort breitfließt. So wächst fast nur noch eine Grasart, die in den Bergen von Natur aus nicht vorkommt. Weihenstephan heißt übrigens Müllermilchs hochpreisige Marke.

    Subventionen und der geringere Mehrwersteuersatz auf Lebensmittel tragen dazu bei, dass Lebensmittel für alle (Ausnahmen gibt es zwar) bezahlbar geblieben sind. Soweit so gut. Aber wer mit welcher Art Wirtschaft aus unseren Steuergeldern gefördert wird, bleibt mir ein Rätsel; wohl deshalb, weil die wahren Hintergründe für Regierungshandeln und demokratische Entscheidungen, bei denen es um Geld geht, nicht offen diskutiert werden. Schimpft bitte nicht auf die Bauern, denen der Acker vertrocknet oder abgebrannt ist. Mit Wahl- und Kaufentscheidungen für die, die seit Jahrzehnten solche Misswirtschaft generieren oder für Produkte, die nur wenig Gutes haben, dass sie billig sind oder aufwändig verpackt und weit gereist, haben wir mit verbockt, woran alle leiden. Fallen wir aber auch nicht auf pseudoalternative Sprücheklopfer mit oder ohne Hundekrawatte rein. Die machen es nur noch schlimmer.

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