Ermittler zum Fall Joel: Äußerste Brutalität und Grausamkeit

27. September 2023

Polizei und Staatsanwaltschaft haben weitere Details zu den Ermittlungen im Fall Pragsdorf bekanntgegeben. Auf einer Pressekonferenz in Neubrandenburg nahmen der leitende Ermittler Olaf Hildebrandt und Oberstaatsanwaltschaft Tim Wischmann Stellung zu Fragen. Dabei kam heraus, dass die Ermittler den 14-Jährigen, der gestern in dem kleinen Dorf neun Kilometer von Neubrandenburg festgenommen wurde (WsM berichtete), schon seit dem Tatabend am 14. September im Visier hatten. Er schwieg aber zu den entscheidenden Fragen, und sie konnten ihm bis  Montagabend noch nichts beweisen. Der leitende Ermittler sprach von großer Brutalität und Grausamkeit.

Der sechsjährige Joel war am 14. September mit zweien seiner Geschwister zu dem Spielplatz gegangen, sagte Ermittler Hildebrandt. Dort traf man den 14-Jährigen. Durch das dörfliche Milieu kannten sich alle Beteiligten. Als es Abend wurde, gingen die beiden Geschwister schon nach Hause, was nicht weit entfernt war. Dann sollen der kleine Junge und der 14-Jährige etwa 100 Meter weiter zu dem Bolzplatz gegangen sein.

Nicht weit davon entfernt hatten sich die Kinder eine Art Höhle in die Hecke gebaut. Dort soll der Tatverdächtige – das Motiv ist noch unklar – den Sechsjährigen „massiv geschlagen und mehrfach zugestochen haben“. Hildebrandt sprach von großer Brutalität und Grausamkeit. Danach flüchtete der Täter. Die Eltern wurden unruhig, als Joel nicht wie gewohnt nach Hause kam. Er wurde vermisst gemeldet. Schließlich wurde der Kleine von Feuerwehrleuten bewusstlos in dem Gebüsch gefunden – jede Hilfe kam zu spät.

„Wir hatten ein Bewegungsprofil des 14-jährigen erarbeitet“, sagte der sehr erfahrene Kriminalist Olaf Hildebrandt. Und nach vielen Befragungen stand fest, der Tatverdächtige hatte Widersprüche in seinen Angaben. Schließlich konnten Kriminaltechniker am Messer die Blutspuren des Opfers und am Messergriff DNA-Spuren vom Opfer und vom 14-Jährigen finden und nachweisen. „Wir sind sehr sicher, den Richtigen gefunden zu haben“, sagten die Ermittler.

Damit war der Weg frei: Das Amtsgericht bestätigte am Dienstag den „dringenden Tatverdacht auf Totschlag“ und schickte den Festgenommenen in U-Haft. Dieser blieb weiter schweigsam, was die Vorwürfe betrifft. Laut Polizei soll er schon in der Vergangenheit mit „aggressivem Verhalten gegenüber Kindern aufgefallen sein.“ Allerdings war er der Polizei noch nicht bekannt.

Nun laufen die Ermittlungen weiter. Der 14-Jährige soll zudem psychologisch begutachtet werden. Wenn alle Indizien und die Gutachten vorliegen, wird man nochmal versuchen, den 14-Jährigen zu einem Geständnis zu bewegen. Nur so könnten die Angehörigen erfahren, was sich genau abgespielt hat und vor allem, warum. Und die Staatsanwaltschaft kann dann einschätzen, ob es nicht doch ein geplanter Mord war.

Bis dahin müssen die Dorfbewohner damit klar kommen, dass einer, der unter ihnen wohnte, ein Kind aus dem Dorf getötet hat. In Kürze dürfte auch noch der schwere Gang zur Beerdigung des Sechsjährigen anstehen. Nun hat aber erstmal die größte Ungewissheit ein Ende, die den Bewohnern die ganzen Tage sehr zugesetzt hat.


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