Anzeige
Anzeige

Harsche Kritik an geplanten Strecken-Stilllegungen

20. August 2019

Das bevorstehende Aus für weitere Bahnstrecken in Mecklenburg-Vorpommern stößt auf Kritik. „Die Entscheidung, die Bahnstrecken zwischen Parchim und Malchow sowie Güstrow und Plau stillzulegen und damit dem Abriss preiszugeben, wird uns in wenigen Jahren auf die Füße fallen“, meint beispielsweise die Grünen-Verkehrsexpertin Jutta Wegner. Wer Güterverkehr auf die Bahn bringen und ländliche Räume nicht abkoppeln wolle, der müsse dafür auch Schienenwege haben.

Jutta Wegner reagierte auf einen Bericht des Senders NDR 1 Radio MV, nach dem der Betreiber der Strecken Parchim-Malchow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) und zwischen Güstrow und Plau am See das nötige Verwaltungsverfahren in Gang gesetzt hat.

„Während der Landesverkehrsminister niemals auf die Idee käme, eine der Bundes- oder Landesstraßen stillzulegen, verschläft er im Bahnverkehr wichtige Strukturentscheidungen. Wer die Klimakrise ernst nimmt, darf nicht für weniger Bahn stehen, sondern muss sich vielmehr für den Erhalt von Strecken stark machen“, so Jutta Wegner.

Der Rückbau bei der Bahn zeige bereits heute Konsequenzen: Fehlende Ausweich- und Umleitungsstrecken würden nahezu täglich zu Verspätungen im Bahnbetrieb führen, Kunden im Güterverkehr müssten überlange Transportzeiten in Kauf nehmen, der ländliche Raum werde durch fehlende Anbindungen immer unattraktiver für die Wirtschaft und so weiter abgehängt. „Fortschrittliche Verkehrspolitik sieht anders aus, lieber Herr Pegel“, mahnt Wegner.

Die Strecke Parchim-Malchow gehört zur sogenannten Südbahn. Der Zugverkehr auf dem Teilstück war wegen mangelnder Auslastung 2014 eingestellt worden. Ein Bürgerinitiative kämpft seither dafür, den Zugverkehr wieder aufzunehmen (WsM berichtete).


6 Antworten zu “Harsche Kritik an geplanten Strecken-Stilllegungen”

  1. Waltraud Meitzner sagt:

    Herr Pegel, sind Sie die flachste Personifizierung, seit es Zangen gibt? Auf Bundesebene wird gerade im Sinne der rechtsverbindlichen Klimaziele umgesteuert, sei es, dass bestimmte Jobtickets nicht mehr versteuert werden, sei es, dass Bundeswehrsoldaten mit der Bahn kostenlos heimreisen können, Hauptstrecken für die Zunahme des Seehafenhinterlandsverkehrs und einen schnellen Personenverkehr ausgebaut werden. Dazu gehört auch die Attraktivitätsteigerung der Strecke Rostock – Berlin mit dem für uns bald fertiggestellten, barrierefrei gestalteten Bahnhof Waren.
    Aber zurück zu Herren mit niedrigem Pegelstand. Wenn also auf oberster Ebene etwas zur richtigen Seite umgesteuert wird, sehen unsere Mittelmaß anstrebenden Landespolitiker noch keinen Grund, dem zu folgen. Wozu auch. Es geht nach Kassenlage und Wählerklientel. Die ist nicht überwiegend in Gallin, Passow, Lutheran oder Rom (Meckl.) zuhause. Folglich kann man dort den finanziellen Pegel herabsetzen, indem man Regionalisierungsmittel des Bundes für den SPNV abzieht und anderswo verbrät. Macht nichts, wenn Mistgabel-Hans und Rinder-Ede AfD wählen. Die bringt zwar die Bahn auch nicht zurück, setzt sich aber für die Dieselmotorisierung ohne Einhaltung von Abgasnormen bei Autos ein. Das wird zwar den oben genannten, rechtsverbindlichen Zielen ebenso nicht gerecht, dafür versteht aber jeder die einfache Sprache, wohl auch in Gallin, Passow, Lutheran oder Rom (Meckl.). Soweit das ungewollt einvernehmliche Kalkül von SPD bis AfD.
    Das kann uns ärgern. Was uns rasend machen sollte, ist, dass die Strecke gerade erst mit vielen Millionen saniert wurde: mehrere Millionen teure Brücke im Karow, stadtnaher Haltpunkt in Malchow (eine Million), neuer Bahnsteig in Lübz (600.000 Euro), mehr als 10 neue Schrankenanlagen, im Schnitt jede für knapp 1 Million Euro, neue Gleise auf fast der gesamten Strecke. Das meiste davon wurde noch aus Steuermitteln finanziert, als die sukzessive Stilllegung schon ausgekungelt war und nur noch Wahlen zu überstehen waren.
    Bald wird die ganze Technik dem Vandalismus zum Opfer fallen. Die Brücke im Karow kann man, ganz öko, in ein Fledermausquartier umfunktionieren und an den neuen Bahnsteigen können ja Spaßdraisinen halten.

    Lieber Gott, befreie uns von Flach- Kneif- und Allzweckkombizangen, bevor weiterer Schaden angerichtet wird, bitttttee!!!

    • Hermann W. sagt:

      Im Grunde genommen haben Sie ja Recht. Doch muss man dann gleich so beleidigend werden? Eine Zange im Kopf wäre angebracht.

      • Waltraud Meitzner sagt:

        Beim Thema Südbahn wurden wir bei Nachfragen immer wieder glatt belogen und gleichzeitig wurde sukzessive die Stilllegungsabsicht verfolgt. Gegenüber Lügnern sehe ich keinen Grund mich bei der Wortwahl zurückzuhalten. Es gibt für mich keine abschätzigere Art des Umgangs, als belogen zu werden, mit dem Ziel, fatale Entscheidungen auf Kosten von Menschen durchzudrücken. Ich äußerte mich mit meinem Ärger so, dass ich einer Anklage wegen Beleidigung gerade noch entgehe. Mag sein, dass die Flachzange im Kopf weniger weh tut. Aber kommt es darauf an?

  2. Karin sagt:

    Frau Meitzner , möchten Sie so beschimpft werden nur weil Sie anderer Meinung sind . Also ich denke es ist eine Entschuldigung fällig. Soviel Rückrat erwarte ich .

    • Waltraud Meitzner sagt:

      Liebe Karin oder sehr geehrte,

      ich pflege mich gewählt auszudrücken. Solange der Umgang miteinander auf Augenhöhe ist, sei mein Ton milde. Meistens funktioniert das. Anders, wenn ich persönlich belogen werde. Das war/ist hier der Fall. Ist das nicht ein klassisches Zeichen von Missachtung, herabwürdigend? Ich habe trotzdem keinen Schaum vorm Maul, aber die immer noch gewählte Ausdrucksweise wird schon mal etwas penetrant. Nachvollziehbar? Wenn ja, würde ich Ihnen gern das erwartungsgemäße Stück „Rückrat“ schicken. Nur, habe ich keins. Tut es auch ein Teil vom Fahrrad? Ich hätte eine DDR-Klingel, leider ohne Glocke, eine Holzluftpumpe ohne Manschette und ein paar Reifen, inzwischen ohne Profil.

  3. Bahnfahrer sagt:

    Der Kommentar trifft voll zu.
    Klar, einige perönliche Bemerkungen sind vielleicht ein bisschen hart.

    Ich finde es auch ein Unding, dass die Strecke stillgelegt werden soll. Das wäre dann mal wieder ein perfektes Beispiel für Extra3 vom NDR in der Rubrik „Der reale Irrsinn“.

    Erst für Millionen Steuergelder investieren und dann die Strecke eindampfen.
    Aber das schlimme ist folgendes:
    Wenn eine Bahnstrecke abgemeldet und stillgelegt wird, ist die Bahnstrecke für ewige Zeiten verloren.
    Der Aufwand diese Strecke wieder zu aktivieren, ist so groß, dass die Bahn das einfach nicht macht. Das geht los mit Planfestellungsverfahren, Bürgereinwenden usw.
    Es ist eine Sache keine Züge mehr fahren zu lassen, aber eine ganz andere die Bahnstrecke stillzulegen.
    Ich hoffe im Sinne der Zukunft kommt man zumindest auf den kleinsten Nenner und lässt 2 mal pro Tag eine Bahn (für Personenverkehr) fahren, morgens und nachmittag. Vielleicht wird ja in 10 Jahren ein Umdenken stattgefunden haben und man möchte mehr Leute mit der Bahn transportieren und dann kann man die Anzahl der Züge pro Tag erhöhen. Die Strecke hat man dann zum Glück noch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*