Anzeige
Anzeige

Megabaustelle Petersdorfer Brücken: Verkehrsexperten rechnen mit Staus

26. November 2015

Wo fahren wir von der A 19 ab? Wie funktioniert eine Brückenbaustelle? Wie werden 60 Meter tiefe Bohrungen von einer alten Brücke aus umgesetzt? Bewohner der Müritz-Region müssen sich im nächsten Jahr gut überlegen, ob sie aus Süden kommend lieber die Autobahn 19-Abfahrt Röbel oder doch lieber Waren benutzen. Auf jeden Fall besteht in der tourismusstarken Zeit akute Staugefahr an den Petersdorfer Brücken.

Das wurde auf einer Informationsveranstaltung der Planungsgesellschaft DEGES zur Sanierung der Petersdorfer Brücken in Plau offenbar. „Einen Sommer lang müssen wir mit nur einer Spur für jede Fahrtrichtung auskommen“, sagte Manfred Rathert vom Landesamt für Verkehr aus Rostock.

Die Zahlen sprechen für sich: Fahren im Jahresdurchschnitt 16 200 Fahrzeuge pro Tag über die Brücke, so sind es im Sommer mit 37 000 Fahrzeugen mehr als doppelt soviel. Da sollen unter anderem weit entfernte Vorwegweiser am Berliner Ring den Kraftfahrern helfen. Aber Rathert hat auch eine gute Nachricht: „Wenn im Mai 2017 die westliche Teilbrücke fertig ist, kann diese sogar vier verengte Fahrspuren aufnehmen.“ So könne man die marode östliche Teilbrücke in Ruhe bis Ende 2018 fertigstellen.

BrueckeDabei ist die Mega-Baustelle durchaus etwas für Bau-Fans. „Das ganze Brückendilemma begann nämlich schon mit dem Bau, der damals von 1969 bis 1978 dauerte“, erklärt der Brückenfachmann. Die Gründungen für die Bauwerke waren damals bei weitem nicht tief genug. „Man bohrte nicht bis in die wirklich tragbaren Schichten“, weiß der Rostocker. So sacken die Brücken bis heute jährlich Millimeter für Millimeter, so dass sie schon etwas „durchhängen.“

Das soll sich nun ändern, erklärt DEGES-Fachmann Mario Schönherr (Foto) in Plau. Genau deshalb wurde die westliche Teilbrücke zwar schon gesperrt, aber noch nicht abgerissen. „Sie fungiert als Basis für die enorm tiefen Bohrpfähle, die die neue Brücke tragen sollen.“

Die Baufirma hat schon Löcher in die alte Brücke geschnitten. Nach einer minimalen Beton-Verstärkung soll eine tonnenschwere „Bohrmaschine“ zum Einsatz kommen. „Die Bohrpfähle sollen bis zu 60 Meter tief in den Petersdorfer See hineingetrieben werden“, erläutert Schönherr. Allein 20 Meter müsse man schon durch eine schlammige Muddeschicht, erst viel später treffe man auf tragbaren Grund.

Von oben werde dann Metallbewehrung in Hülsen herabgelassen und diese mit Beton vergossen. Erst wenn die neuen Fundamente fertig sind, werde die alte Brücke abgerissen und eine neue aufgebaut. Die Bohrungen sollen Mitte Dezember beginnen.

Die A19 Berlin-Rostock ist eine der Hauptverkehrsrouten vom Süden zur Ostsee. Die gesamte Brückensanierung – auch die Brücke der Autobahnauffahrt Waren muss zugleich erneuert werden –kostet zusammen mit den neuen Zu- und Abfahrten rund 40 Millionen Euro, die der Bund trägt.

Und noch etwas weiß Rathert: Die A19-Anschlussstelle Waren war in den 1970er Jahren nur so großzügig geplant worden, weil dort noch eine Raststätte vorgesehen war. Auch dafür fehlte damals wohl das Geld – an dieser Stelle hat sich ein kleiner Wald entwickelt.

Petersdorfer


5 Antworten zu “Megabaustelle Petersdorfer Brücken: Verkehrsexperten rechnen mit Staus”

  1. Jürg Kos sagt:

    „Wenn schon ein Neubau – dann doch wenigstens gleich richtig!“
    Zu den folgenden Überlegungen finde ich leider nichts im WWW:

    Kann es sein, dass auf Grund der immer wieder zitierten „extrem schwierigen Gründungsbedingungen im See“ an dieser Stelle ein ganz anderer Brückenneubau hätte vorgesehen werden müssen?
    Zwei Pfeilergründungen außerhalb des Sees und diese mit einem kühnen Bogen verbunden. Dabei hätte die Straßenlage gleich noch um mehrere Meter höher gelegt werden können, wodurch gerade für Lkw die starke Gefällestrecke vor und der anschließende Anstieg nach der Bücke entschärft wären. Es entstünde auf Dauer großer volkswirtschaftlicher Nutzung durch weniger Kraftstoffverbrauch, weniger Emissionen und nicht zuletzt weniger Lärm.

    Grober Überschlag nur für Lkw:
    –> pro Lkw ca 4 Liter Diesel weniger für geschätzt 10-20 „gesparte“ Höhenmeter

    Verkehrsaufkommen, konservativ, beide Richtungen:
    –> ca 5000 Lkw / Tag
    –> ergibt 20.000 Liter Kraftstoffeinsparung/Tag
    –> ergibt 6 Mio Liter Kraftstoffeinsparung/Jahr
    + 67 % aus den Pkw-Verkehr

    ==> ergibt ca 10 Mio Liter Kraftstoff/Jahr ==> ca 10 Mio Euro
    ==> bereits nach nur ca 5 Jahren wären die gesamten Brücken-Neubaukosten amortisiert

    Ist das nicht überzeugend???

    Bin auf Reaktionen bzw. weitere Gedanken dazu sehr gespannt!

    MfG
    Jürg Kos

    • jens 66 sagt:

      Der Denkansatz ist wirklich gut, deckt sich aber leider nicht mit unserer Bundes und Landespolitik.
      Die errechneten Einsparungen in Höhe von 10 Mio Euro, würden der Umwelt gut tun, gar kein Zweifel, aber nicht unseren Wirtschaftsministern, denn es hieße Steuerausfälle in Höhe von 6,43 Mio Euro in dem Zeitraum…wer würde so etwas schon unterstützen?!?
      Um so mehr Diesel und Benzin verbraucht wird um so mehr sprudeln die Steuergeldquellen. Daher ist es auch kein Wunder, dass solche Überlegungen und Vorschläge im Mülleimer landen….leider.

  2. Ellimar sagt:

    In öffentlichen Haushalten gibt es keine Amortisationsberechnungen, sondern nur Kosten für dies und das und für Investitionen. Auch aus Investitionen rührende künftige laufende Kosten spielen im Haushalt des Jahres der Investionsentscheidung noch keine Rolle und sind kein Gegenstand für die Abstimmungen, abgesehen davon, dass diese hier Andere tragen. Den Begriff life cycle costing gibt es nur in privaten Wirtschaftsbereichen. Die Verwaltungen agieren auf allen Ebenen meistens so dumm, wie jemand, der sich ein viel zu teures neues Auto für alle Ersparnisse der Verwandschaft und dazu auch noch auf Kredit kauft, jahrelang soviel abstottern muss, dass kein Geld für Sprit und Reparaturen bleibt.

    Die skandalös teuren Hafenausbauten, jetzt ist ja die Steinmole dran, werden nur daran gemessen, ob der Steuerzahler das kleingerechnete Geld zum Bau aufbringt, wenn die Verwaltung alle erdenklichen Quellen auf einmal anbohrt. Nachdem immer dieselben Bauunternehmen und Planer die Millionen in kürzester Zeit verbraten haben und bekannte Gesichter noch etwas breiter grinsen, möge die Sintflut kommen. So ist es vielleicht auch mit der Brücke: Das Straßenbauamt beauftragt ein Planungsbüro mit einem schmalbrüstigen Variantenvergleich. Die billigste kann geradeso finanziert werden, wo die wahren Kosten verschleiert werden. Niemand prüft das durch. Planer, Amt, Bauunternehmer und Leitfiguren in Beschlussgremien kennen sich und der von vornherein favorisierte Entwurf wird durchgewunken und ist nicht selten von der letzten ähnlichen Maßnahme abgekupfert. Das Angebot der bestbekannten Baufirma ist dann genauso fix gemacht. Alle Angebote der Anderen haben klitzekleine formelle Fehler und scheiden aus. So mag es laufen, wie geschmiert.

  3. w sagt:

    Wenn man an den Urlauberverkehr denkt, der sich im Sommer an die Ostsee wälzt, ist interessant, wie der Verkehr bei so einer Baustelle umgeleitet werden kann. Als an der Brücke in Kavelsdorf (vor dem Kreuz Rostock) gebaut wurde,staute sich der Verkehr bis Laage und manchmal bis Gritzkow zurück mit stundenlangem Vorwärtsstehen und schon mal 30Liter/100km bei eingeschalteter Klimaanlage.
    Drei Möglichkeiten zur Entlastung:
    1. über die B96. Dazu müsste diese zuvor natürlich attraktiv gemacht werden und Baustellen auf dieser Route wären nicht gerade glücklich.
    2. über die A20. Dazu müsste schon an den südlichen Zuläufen die Ausweichroute über den östlichen Berliner Ring als die bessere Wahl angeboten werden.
    3. Urlaub per Bahn. Die Bahn sorgt zwar einigermaßen dafür, dass nicht in der Hauptverkehrszeit gebaut wird. Aber nur ein aus alten Wagen bestehender IC, bei dem jeden Tag was Anderes kaputt ist, von Berlin über Waren nach Rostock und genauso einer zurück, ist einfach erbärmlich. Die roten Doppelstock-Regionalzüge stehen die auf der teuer ausgebauten Strecke gewonnene Zeit wieder ab: Neustrelitz heißt der Bahnhof, nicht Schilda.

    Ob das vorher minutiös geplant wird? Gebaut wird ja vor allem, wenn die bereitgestellten Mittel abfließen müssen, gern jahrelang, weil nachts zu teuer. Wen kümmern da staugeplagte Autofahrer.

  4. Peter Sohr sagt:

    Um es mal mit den Worten auszudrücken die ich letztens in einer illustren Runde vernahm. Da sagte einer aus der Runde:

    „Es macht einen schon nachdenklich was da so im Laufe der letzten Jahre an der Petersdorfer Brücke alles so passierte. Neben etlichen Unfällen mitunter mit tragischen Ergebnissen blickt man auf bautechnische Merkwürdigkeiten. Diese Unfälle wären mit Hinblick auf die verzögerte Fertigstellung allesamt vermeidbar gewesen und den Betroffenen so einiges Elend sicherlich erspart geblieben. Es gab doch auch mal Zeiten, da wurden binnen weniger Monate etliche Hundert Km Autobahnen gebaut und heute schaffen die das nicht einmal innerhalb von 2 Jahren eine einzige Brücke zu sanieren.“

    Dieser Bemerkung habe ich kaum etwas hinzuzufügen. Die vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr Mecklenburg Vorpommern zwischen dem 28.04.2015 und 31.12.2018 angekündigte Baumaßnahme für die knapp 715 m Autobahnlänge mit einer insgesamt 1.430 m messenden beidseitigen Fahrbahn ist schon beachtlich.
    Wäre dieses die erste Brücke der Welt hätte ich wie meine Gesprächspartner volles Verständnis. Im Moment fehlt es uns.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*