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Neubrandenburger beraten über Umgang mit Hochhausensemble und großem Wandbild aus Sozialismus

5. Oktober 2019

Eines der größten Wandbilder in Neubrandenburg – das Werk „Die Quelle“ in der Neustrelitzer Straße – soll zusammen mit dem gesamten Hochhauskomplex erhalten werden. Über den Weg dahin, auch über eine mögliche Restaurierung, wollen die Neubrandenburger am 14. Oktober beraten. Das heute doppeldeutig interpretierte Fliesen-Kunstwerk an dem ersten 14-geschossigen Hochhaus in der Südstadt, wenn man aus dem Zentrum kommt, stammt von Wolfram Schubert, der von 1965 bis 1988 Vorsitzender des Bezirksverbandes Bildender Künstler in Neubrandenburg war.

Der 93-Jährige war vor fast 30 Jahren aus Enttäuschung über das Ende der DDR, das er auch als „Verlust einer Illusion“ bezeichnete, und den Umgang mit vielen DDR-Kunstwerken nach der Einheit aus Neubrandenburg weggegangen und nach Potzlow in die Uckermark gezogen. Inzwischen habe ein Umdenken bei den Menschen und den Kunstverantwortlichen eingesetzt, freut sich der Künstler, der gerade sein Buch „Ich will Erinnerungen“ – eine Art Autobiographie – in Neubrandenburg vor rund 120 Leuten unter großem Andrang vorgestellt hat.

Das riesige Wandbild sollte nach dem Willen der SED eigentlich eine Hommage an Wladimir Iljitsch Lenin sein, denn die Neustrelitzer Straße war in der DDR zur „Leninallee“ umbenannt worden. Wie in anderen Bezirksstädten auch erhielt Neubrandenburg eine ganze Reihe solcher Hochäuser, die aus insgesamt 15 Gebäuden bestehen. Nicht weit weg wurde dann auch die Bezirkszentrale der Staatssicherheit gebaut.

Schubert sollte damals eine Reihe von Wandbildern für die Hochhäuser schaffen. Sie sollten für das Studium der sozialistischen Quellen (Marxismus-Leninismus), den Funken für die „Revolution der Arbeiterklasse“ und die Flamme des Sieges für den Sozialismus darstellen. So fremd das heute klingt, so hieß das damals wirklich.

Letztlich stellte Schubert seinen Entwurf für „Die Quelle“ – so heißt das „Pilot-Wandbild“ – den Auftraggebern vor. An den anderen Hochhäusern wurden ähnliche Motive davon per Fliesen angebracht, aber „Der Funke“ und „Die Flamme“ kamen dann nicht mehr. In der DDR konnte man sich denken, warum.

Ob sich die Neubrandenburger immer noch mit dem Mammut-Wandbild identifizieren, soll nun ausgelotet werden. Auf jeden Fall hätten sie heute eine andere Deutungsmöglichkeit: Die Südstadt hatte trotz „Leninallee“ , die nun wieder Neustrelitzer Straße heißt, bei alten Einheimischen immer noch den ganz alten Namen: Blumenborn. So sind heute auch wieder eine Straße und ein Treff benannt, denn die Gegend soll reich an Blumen und Natur gewesen sein. Und das Wort „Born“ steht auch für Brunnen oder sinngemäß für Quelle.
In der Literatur findet man ein kleines Gedicht dazu:
„Der Wandrer sieht am Wegesrand, ein kleines Pfützlein blinken. Des Bornes Wasser schöpft die Hand, der Durstige will trinken.“


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