Neuer Anlauf für Widerspruchslösung bei Organspenden  

15. Juni 2024

Etwa 8.400 Menschen standen in Deutschland am 1. Januar 2024 aktiv auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Gleichzeitig wurden 3247 Organtransplantationen von verstorbenen Spendern im Jahr 2023 vorgenommen (Quelle: Eurotransplant). Acht Bundesländer, darunter Mecklenburg-Vorpommern, haben vor diesem Hintergrund eine gemeinsame Initiative zur Änderung des Transplantationsgesetzes in den Bundesrat eingebracht, die gestern vorgestellt wurde.  „Ziel des Gesetzesantrags ist es, dass mehr Menschen, die auf eine Organspende angewiesen sind, ein lebensrettendes Organ erhalten“, wirbt MV-Gesundheitsministerin Stefanie Drese für die Einführung der sogenannten Widerspruchslösung. Im europäischen Vergleich bewege sich Deutschland bei der Organspende seit Jahren auf einem sehr niedrigen Niveau. Weniger Spender gebe es nur in Griechenland, Rumänien und der Türkei.

Drese: „Auch in Mecklenburg-Vorpommern warten 206 Menschen im Land auf ein oder mehrere Spenderorgane.“ Die bisherigen Maßnahmen, wie das 2022 in Kraft getretene Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende, hätten nicht die erhofften Wirkungen entfacht. Das im März in Betrieb gegangene Organspende-Register allein werde auch nicht zu einer spürbaren Verbesserung führen, so Drese.

Die acht Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Berlin, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein setzen deshalb auf einen Paradigmenwechsel bei Organspenden. „Durch Einführung der Widerspruchslösung soll zukünftig jede Person als Organspender gelten, wenn sie nicht zu Lebzeiten einen Widerspruch oder auf andere Art und Weise erklärt hat, keine Organe spenden zu wollen“, verdeutlicht Drese. „Die Widerspruchslösung ist damit eine große Chance, mehr Spender zu gewinnen.“

Das Recht des Einzelnen, sich für oder gegen eine Organspende zu entscheiden, bleibt nach dem Ländervorschlag ausdrücklich bestehen. Drese: „Wir wollen mit unserer Initiative zugleich auch eine gesellschaftliche Diskussion auslösen. Durch mehr Aufklärung und Information sollen Bürgerinnen und Bürger ermutigt werden, sich mit dem Thema Organspende zu beschäftigen. Das entlastet auch die Angehörigen, die im Zweifelsfall in die schwierige Lage versetzt werden, für den Verstorbenen eine Entscheidung treffen zu müssen.“

Nach der gestrigen Vorstellung wird der Gesetzesantrag in die Bundesrats-Fachausschüsse überwiesen. Danach kommt die Vorlage erneut zur Abstimmung in das Bundesratsplenum. Erhält er dort eine Mehrheit wird der Gesetzentwurf an den Bundestag überwiesen.


5 Antworten zu “Neuer Anlauf für Widerspruchslösung bei Organspenden  ”

  1. Manuela sagt:

    Es wird Zeit das sich was beim Thema Organspende endlich ändert. In anderen Ländern läuft es schon seit Jahren mit der Widerspruchslösung. Ich bin leider selbst auf ein Spendeorgan angewiesen und muss mich auf eine Wartezeit von ca 8 Jahren auf eine Niere einstellen. Vielleicht sollte die Politik mal über so ein wichtiges Thema nachdenken und nicht über belanglose Dinge im Wahlkampf. Eine zeitnahe Änderung wäre sinnvoll und auch Zeitgemäß.

  2. Detlef Blaschke sagt:

    Habe fast 10 Jahre an und mit der Dialyse gelebt.Vor vielen,vielen Jahren war das noch undenkbar.Deshalb ein großes Dankeschön das es heute doch so gute Geräte gibt und vor allem an den Dialyseteams.Ich war unter anderem auch in Östereich in einer Feriendialyse und hatte mich gewundert ,das dort keiner diese hässlichen Shunts hatte wie ich.Auf Nachfrage erzählte man mir das es in Österreich ein anderes Organspendegesetz gibt.Ich war begeistert und wünschte das es so etwas auch in Deutschland geben würde und war damals dermaßen enttäuscht das es im ersten Anlauf gescheitert ist und dass nur, weil eine kleine Minderheit was dagegen hatte.Abgesehen von den Kosten für eine Dialyse und das 3 x die Woche kann keine Kirche ,kein Abgeordneter und wer auch immer dagegen gestimmt hatte mit diesen Menschen und deren Familien mitfühlen.Was auf dieser Welt ist denn so schlimm in Widerspruch zu gehen wenn ich kein Organspender sein möchte?Was aber, wenn ich selbst mal betroffen bin oder mein Kind oder,oder. Ob dann diese Menschen vielleicht doch noch einmal über das eine oder andere nachdenken würden ?Ich hoffe doch sehr, und wünsche mir für jeden der auf ein Organ wartet ,vor allem auf solche ,die ihr ganzes Leben noch vor sich haben (unsere Kinder)endlich ein Umdenken stattfindet und das dieses Gesetz nun auch in Deutschland Zustimmung findet.Überall sind und müssen wir Vorreiter sein und hier Schlusslicht,unfassbar.

  3. Maggi sagt:

    Ich stimme Herrn Blaschke voll und ganz zu. Warum ist alles in Deutschland ein Problem. Liegt es wiedermal an der Bürokratie? Ich kann mir vorstellen, wie es den Menschen geht die ein Organ brauchen um weiter zu leben.
    Ich habe schon ganz lange einen Organspendeausweis und kann in dem Bewußtsein leben, vielleicht mal einem oder sogar mehreren Menschen helfen zu können. Ist doch ein gutes Gefühl. Mir tut es doch am Ende nicht weh. Unlängst gab es eine Sendung über dieses Thema und habe das Leid der Menschen gesehen. Ich habe aber auch gesehen, daß es Nenschen gibt, die sich für die Widerspruchslösung einsetzen, bisher immer wieder gescheitert sind und trotzdem nicht aufgeben. Hut ab!
    Ich bin mir sicher, dass sich viele Menschen für eine Organspende entscheiden würden.
    Also, liebe Politiker, eine rasche Entscheidung ist gefragt und keine ewigen Diskussionen.

  4. Stefan sagt:

    Hallo Maggi,

    leider sind bei Weitem nicht alle Mitbürger so emphatisch wie Sie. Vor Kurzem gab es hier bereits einen Artikel zu dem Thema und da wurde von „Beendigung der lebenserhaltenen Maßnahmen um eine spannende OP zu bekommen“ (nur sinngemäß – nicht wörtlich zitiert), bis zum Vorwurf des „Organhandels“, alles aufgezählt, bei dem man sich fragt, aus welchem YouTube-Video dieses Insiderwissen wohl herrührt.
    Als wenn es den Menschen nicht mehr möglich wäre dem zu widersprechen und sie automatisch zum Spenden genötigt würden… Traurig.

    Manuela wünsche ich sehr viel Kraft und alles Glück.

    Gibt es zum Thema Organspende Selbsthilfegruppen oder ähnliches?

    Für Krebspatienten gibt es so etwas beispielsweise mit yeswecan!cer (ja ich weiß – Wortspielbrüller)
    https://yeswecan-cer.org/
    Es ist wichtig sich austauschen zu können und das möglichst mit, zur eigenen Person, neutralen Anderen, welche den eigenen Weg aber absolut nachvollziehen können, da sie ihn selbst gegangen sind, oder gerade gehen.
    Es macht Mut, Hoffnung und hilft auch manchmal Frust loszuwerden.

    Vielleicht hat hier ja jemand einen entsprechenden Tipp, denn dafür sollte das Web ja eigentlich da sein – um Menschen zu verbinden ;)

  5. Retzlaff sagt:

    Warum reicht es nicht, wenn man Organe spenden will, dieses im Amt anmeldet.Dieses sollte doch Ausreichen. Ich dachte das es zur Wende gekommen ist, lag daran, das wir nicht mehr Fremdbestimmt sein wollten? Warum diese Wendung? Wenn der jetzige Umgang mit dem bestehenden Gesetz die öffentliche Meinung darstellt,dann müssen sich die Ämter aber frisch machen um den Verwaltungsaufwand zu stemmen.Werden dann frische Gelder für den ( Arbeitsaufwand) in die Kasse gespült, oder ist das dann kostenlos?