Prozess um Kindesmissbrauch gegen 48-jährigen Kargower verzögert sich weiter

10. August 2023

Der Prozess wegen Kindesmissbrauch gegen einen 48 Jahre alten Mann aus Kargow (WsM berichtete) wird sich – wie erwartet – noch etwas verzögern. Wie „Wir sind Müritzer“ am Landgericht Neubrandenburg erfuhr, sind für den 15. und 26. September zwei weitere Verhandlungstermine geplant. Dem Mann wird sexueller Missbrauch von Jungen in mehr als 50 Fällen vorgeworfen, darunter ein Teil der Fälle als „schwerer sexueller Missbrauch“. 

Hintergrund der Verzögerung ist, dass das Landgericht mit weiteren Beweisanträgen rechnet. Mit solchen Anträgen kann jede der beiden Prozessparteien Zeugen oder Bekannte von Beteiligten benennen, die vor Gericht entweder die Sicht der Anklage oder die der Verteidigung beweisen sollen. Das könnten Bekannte aus dem Umfeld der mutmaßlich Geschädigten sein, die deren Sicht der Vorwürfe untermauern. Es könnten aber auch Zeugen sein, die aus Sicht der Verteidigung die Glaubwürdigkeit der Jugendlichen, die damals noch Kinder waren, und damit die Anklage erschüttern sollen.

Um diese Glaubwürdigkeit ganz genau einschätzen zu können, hat das Landgericht auch zwei Gutachter in das Verfahren geholt. Diese sollen – so die bisherige Planung – eigentlich am 28. August ihre Sicht der Dinge darlegen. Daraus könnten sich aber noch weitere Fragen ergeben, deshalb wohl auch die neuen Termine.

Das Verfahren gegen den Angeklagten aus Kargow, der bis zum Bekanntwerden der Vorwürfe unter anderem Schwimmunterricht für Kinder gegeben hat, läuft wegen der „schutzwürdigen Interessen der mutmaßlich Geschädigten und auch des Angeklagten“ hinter verschlossenen Türen. Dem Mann wird sexueller Missbrauch von Jungen in mehr als 50 Fällen vorgeworfen, darunter ein Teil der Fälle als „schwerer sexueller Missbrauch“. Unter „schwerem sexuellen Missbrauch“ verstehen Rechtsexperten das Eindringen in Körperöffnungen, im Gegensatz zum „sexuellen Missbrauch“.

Der Angeklagte hatte sich zum Prozessauftakt (WsM berichtete) laut Landgericht gar nicht zu der Anklage geäußert. Deshalb gestaltet sich die Beweisaufnahme wohl noch umfangreicher als sonst üblich. Die Missbrauchsvorfälle sollen sich von 2018 bis 2021 im privaten Umfeld des 48-Jährigen ereignet haben. Die Vorstellung der Gutachten und die Plädoyers aller Beteiligten werden weiter ohne Öffentlichkeit laufen. Die Plädoyers können aber nur gehalten werden, wenn die Beweisaufnahme geschlossen ist. Diese kann aber nur geschlossen werden, wenn es keine Beweisanträge mehr gibt.

Erst zur Urteilsverkündung soll die Öffentlichkeit wieder zugelassen werden.


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