
Jahresbilanz 2023: Geteiltes Bild, aber jedes zweite Unternehmen ist zufrieden
Mit dem Verlauf des Tourismusjahres 2023 sind 51 Prozent der befragten Unternehmen zufrieden oder sogar sehr zufrieden. 22 Prozent stehen dem Jahr 2023 neutral gegenüber und 29 Prozent sind mit dessen Verlauf unzufrieden oder sehr unzufrieden. „Es bleibt ein geteiltes Bild, das die Einschätzungen der Branche in diesem Jahr durchgängig gekennzeichnet hat“, so Woitendorf weiter. Speziell in gastronomischen Betrieben herrscht Enttäuschung aufgrund der sich abzeichnenden Wiedereinführung von 19 Prozent Mehrwertsteuer auf viele gastronomische Leistungen mit Jahresbeginn 2024.
Gäste geben weniger aus
Die befragten Unternehmen gaben an, dass die Gäste im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger ausgabefreudig sind: Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) gaben an, dass ihre Gäste bei ihnen weniger oder deutlich weniger ausgegeben haben als im Vorjahr. Nur 11 Prozent berichten von ausgabefreudigeren Gästen. Für jedes fünfte Unternehmen lagen die Gästeausgaben auf dem Vorjahresniveau.
Einschätzung der wirtschaftlichen Lage

Hohe Gästezufriedenheit und Einschätzung der Marktlage
Die derzeitige Zufriedenheit der Gäste wird von 82 Prozent der Unternehmen als hoch oder sehr hoch bewertet und liegt damit auf Vorjahresniveau. Die derzeitige Marktlage schätzen 36 Prozent der Unternehmen als vorteilhaft oder sogar sehr vorteilhaft ein. 36 Prozent bewerten diese als neutral, und für 29 Prozent ist die Lage aktuell herausfordernd oder sogar sehr herausfordernd. Signifikante Unterschiede zur Einschätzung der Marktlage im Vergleich zum Dezember 2022 gibt es nicht.
Preisanstieg um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr
Gleichzeitig sind die Preise der befragten Unternehmen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um durchschnittlich rund zehn (9,9) Prozent gestiegen. Betrachtet man die Entwicklung des Jahres 2023 für die befragten Unternehmen nach verschiedenen Kennzahlen, so haben sich in der Tendenz die Umsätze stabil auf dem Niveau des Vorjahres entwickelt. Rückläufig waren hingegen die Erträge, die Gästezahlen insgesamt sowie der Anteil von Familien mit Kindern. Leicht gestiegen sind mit Blick auf alle Unternehmen die Anteile der Wiederholungs- und Stammgäste.
Jeder zweite ausländische Mitarbeiter kommt aus Polen

29 Prozent der Unternehmen bilden aktuell aus und zwar im Schnitt 6 Auszubildende je Betrieb. Pro Unternehmen sind derzeit 1,2 Stellen unbesetzt (entspricht 1 VZÄ).
Die Beschäftigungsentwicklung in den Unternehmen ist in der Tendenz in den letzten fünf Jahren fallend. So berichten 29 Prozent über sinkende und nur 17 Prozent über steigende Beschäftigtenzahlen. Mehr als jedes zweite Unternehmen hat stabile Beschäftigtenzahlen (54 Prozent). Zur Rekrutierung neuer Mitarbeitender nutzen die Unternehmen bevorzugt die Jobagentur (49 Prozent), soziale Medien (48 Prozent), die eigene Homepage (47 Prozent), regionale Medien (46 Prozent) und Online-Jobbörsen (46 Prozent).
Stimmungsbild zur geplanten Mehrwertsteuer-Erhöhung in der Gastronomie: Ein Drittel der gastronomischen Betriebe sieht sich dadurch als existenzbedroht an

Folgende Auswirkungen erwarten die Gastronomieunternehmen durch die Anhebung des Mehrwertsteuersatzes auf 19 Prozent vorrangig: Für das eigene Unternehmen sehen sie Preissteigerungen (84 Prozent), die Reduktion von Investitionen (63 Prozent) und sinkende Gästezahlen (59 Prozent); für die gesamte Branche sehen sie Preissteigerungen (88 Prozent), rückläufige Gästezahlen (81 Prozent) und die Reduktion von Investitionen (63 Prozent). Die Insolvenzgefahr beziehungsweise die Bedrohung von Existenzen durch die Wiederanhebung des Mehrwertsteuersatzes sehen die befragten Unternehmen deutlich häufiger für die Gastronomie-Branche insgesamt (53 Prozent), als für das eigene Unternehmen. Konkret nachgefragt, ist für ein Drittel der Gastronomiebetriebe (32 Prozent) die Existenz des Unternehmens durch die Anhebung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes gefährdet.
Weitere Preissteigerungen halten nur 26 Prozent der Unternehmen bei ihren Gästen für durchsetzbar; 61 Prozent sehen dies nicht. „Wir sind enttäuscht über diese Entscheidung der Mehrwertsteuererhöhung, weil wir davon ausgehen müssen, und das zeigt auch die aktuelle Umfrage, dass Mecklenburg-Vorpommern in besonderem Maße betroffen sein wird. Es mag hier keine größere Dichte an gastronomischen Einrichtungen als anderswo geben, aber deren wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung ist im Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern überdurchschnittlich. Insbesondere Betriebe im ländlichen Raum mit ohnehin weniger Gästen als in Städten oder an der Küste werden noch mehr unter Druck geraten. Deren Existenz ist für die Einheimischen wichtig, aber eben auch für Natur- und Aktivurlauber wie Wanderer und Radreisende. Der Anteil der sich selbst versorgenden Gäste in MV liegt heute schon bei 72 Prozent – er könnte im Zuge von Betriebsaufgaben weiter steigen“, sagte Woitendorf.
Ausblick 2024

Auch bei den Gästezahlen insgesamt (Saldo -12 Prozent), der Anzahl der Familien (-17 Prozent) sowie sogar der Anzahl internationaler Gäste (Saldo -17 Prozent) erwarten mehr Unternehmen Rückgänge als Zuwächse. Bei den Erstbesucheranteilen liegen die Erwartungen auf Vorjahresniveau (Saldo -1 Prozent), und bei den Wiederholungs- und Stammgästen werden von mehr Unternehmen Zuwächse in 2024 erwartet (Saldo +5 Prozent bzw. +2 Prozent).
Als größte Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2024 benennt die Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern die Inflation und die allgemeinen Preissteigerungen (76 Prozent), die Energie- und Rohstoffpreise (60 Prozent; Vorjahr: 82 Prozent), den Fach- und Arbeitskräftemangel (35 Prozent; Vorjahr: 33 Prozent), die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (30 Prozent; Vorjahr: 34 Prozent), die Arbeits-/Personalkosten (29 Prozent; Vorjahr: 35 Prozent) sowie die internationalen Krisen (13 Prozent; Vorjahr: 27 Prozent).







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