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Schwerer sexueller Missbrauch: „Er hat unser Leben zerstört“

30. Oktober 2018

Auf Spurensuche im beschaulichen Malchow. Rund 7.000 Einwohner – hier kennt man sich. Ein anonymes Leben ist hier an der Seenplatte, mitten im Herzen von Mecklenburg-Vorpommern, kaum möglich. Seit Jahren hält sich hartnäckig ein Gerücht, in der Kleinstadt solle ein Sexualstraftäter wohnen. Irgendwo, niemand kannte Details. Bis heute. An der ehemaligen Wohnanschrift von Daniel P. in Malchow, quillt der Postkasten über. Das Haus ist nahezu verwaist. Eine Nachbarin öffnet das Fenster und erzählt uns, was sie am Freitag vergangener Woche erlebt hat. „Es war am späten Nachmittag. Plötzlich kamen zwei Polizeiautos und hielten direkt vor meinem Fenster an. Fünf Polizisten stiegen aus und klingelten an der Tür von Daniel P. – vergeblich. Daniel P. war schon vor mehreren Monaten aus dem Haus ausgezogen.

Jette T. (Name geändert) fällt es schwer über die letzten Wochen und Monate zu sprechen. Immer wieder senkt sich ihr Kopf, ihre Stimme leise und zittrig. Das Erlebte zu beschreiben kann sie kaum. Jette T. ringt nach Worten, will aber trotzdem das Interview fortführen. „Er hat unser Leben zerstört“, sagt sie. „Als meine Tochter, die damals fast vier Jahre alte war, von ihrem Martyrium mit Daniel P. erzählte, war ich geschockt. Ich konnte es nicht fassen. Sofort war mir klar, dass kann sie sich nicht ausgedacht haben“, ergänzte Jette. Keine Sekunde zögerte die junge Mutter, die damals 32 Jahre alt war und informierte das Jugendamt. In einer Nacht- und Nebel-Aktion verließ Jette T. zusammen mit ihren beiden Kindern die Wohnung in Malchow. Denn: Die Gefahr war nicht gebannt. Daniel P. bewohnte zu diesem Zeitpunkt eine Dachgeschosswohnung, direkt über Jette T. und ihren Kindern.

Daniel P. drohte: „Wenn du Mama was sagst, sperre ich dich in den dunklen Keller“

Die damals vierjährige Paula T. (Name geändert) vertraute sich eines Abends ihrer Mama an. „Ich habe mit Papa ein Geheimnis, sagte Paula. Ich habe dann immer wieder gefragt um was es geht. Irgendwann hat Paula mir dann die ganze Geschichte erzählt“, sagte Jette T. in unserem Gespräch. „Er hat ihr gedroht. Ihr gesagt, wenn sie irgendwas erzählt, sperrt er Paula in den dunklen Keller“, sagte Jette T. und senkt wieder ihren Kopf. In diesem Moment bricht Jette T. in Tränen aus. Inzwischen ist sie viele Kilometer von Malchow weg aufs Dorf gezogen. Versucht hier ein neues Leben zu beginnen. „Als am 24.09.2018 das Urteil fiel, war das Kapitel zwar für mich beendet, aber meine Kinder leiden noch heute darunter“, sagte Jette T. und ergänzt; „Ein Jahr und 10 Monate sind zu wenig. Für diese Taten hätte er eine viel höhere Strafe bekommen müssen.“

Nach Urteil im September – Daniel P. legte Berufung ein, war deshalb auf freiem Fuß

Nach dem Urteil im September, legte der Angeklagte Berufung gegen das Urteil ein, war somit weiterhin auf freiem Fuß. Nur wenige Tage später soll er über das Internet bereits neue Opfer gefunden haben. Vor wenigen Tagen soll er sich mehrfach an zwei kleinen Mädchen im Alter von zwei und vier Jahren vergangen haben. In den nächsten Tagen soll Daniel P. in die Untersuchungshaft nach Dresden überstellt werden.

„Ich hoffe, dass Daniel jetzt endlich seine gerechte Strafe bekommt. Als ich hörte, was er in den letzten Wochen noch anderen kleinen Kindern angetan hat, war ich fassungslos.“ Jette T. will den Prozess gegen Daniel P. trotzdem beobachten.

Text und Foto: Nonstopnews Müritz


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