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Stadtvertreter entscheiden sich für Schulsanierungen und einen kleinen Anbau

10. April 2019

Sie haben gekämpft, ganz viel Zeit investiert, sie haben versucht, mit Argumenten zu überzeugen, eine Petition gestartet, vor dem Einkaufsmarkt Unterschriften gesammelt – doch letztendlich haben sie nicht gewonnen – die Elternräte aus Waren-West. Denn sie wollten zwei Schulneubauten statt die Sanierung der vorhandenen Schulen. Mehrheitlich beschlossen haben die Stadtvertreter heute Abend mit den Stimmen von CDU, SPD und Linken aber die Sanierung der Käthe-Kollwitz-Schule und der Regionalen Schule Waren-West. Allerdings mit einem Erweiterungsbau für die Regionale Schule.
Und auch wenn der Wunsch der Eltern ein anderer war – gewonnen haben sie doch. Nämlich ganz viel Sympathie in der Stadt – für ihren unermüdlichen Einsatz. Und vielleicht ist es sogar ihnen zu verdanken, dass die heutige Diskussion in der Stadtvertretersitzung trotz der Brisanz des Themas sehr sachlich abgelaufen ist.

Bevor die Stadtvertreter loslegten, haben Anke Dörner als Vertreterin des Elternrates und Sylvia Hänsel als Direktorin der Regionalen Schule noch einmal ihre Argumente auf den Tisch gepackt und an die Politiker appelliert. „Für so viel Geld nur zu sanieren erscheint uns widersinnig und auch wirtschaftlich wenig sinnvoll. Entscheiden Sie mutig. Nehmen sie Geld in die Hand und vertun Sie nicht die Chance, die sich jetzt bietet“, so Anke Dörner.

Auch das Herz von Sylvia Hänsel schlägt für den Schulneubau und sie wehrte sich gegen den Vorwurf, auf dem Papier eine „Traumschule“ entwickelt zu haben. Vielmehr seien die Vorstellungen der Lehrer auf der Grundlage der Gegebenheiten erstellt worden.

Apropos Gegebenheiten, denn nach dem ganzen Hickhack wissen viele Warener sicher gar nicht mehr, warum die Diskussion so eilig geführt wird: Die Schulen in Waren müssen zum einen den Brandschutzbedingungen entsprechen und zum anderen auch geeignet sein, um die Inklusionsvorgaben zu erfüllen. Dafür hat das Land der Stadt rund sieben Millionen Euro Fördermittel in Aussicht gestellt, aber nur, wenn es bis morgen, 11. April, einen entsprechenden Beschluss gibt.

Ein Vorwurf in Richtung Stadtverwaltung, der in den vergangenen Wochen immer wieder gefallen ist und auch heute zur Sprache gebracht wurde: Seit Jahren fehlt ein richtiges Konzept für die Warener Schullandschaft. Ein Vorwurf, den Bürgermeister Norbert Möller (SPD) als Verwaltungschef bislang nicht entkräften konnte.

Die FDP/MUG-Fraktion hat mit einem eigenen Antrag versucht, zwei Neubauten in Modulbauweise durchzubringen – vergebens. Auch ein Kompromissvorschlag von Linken-Fraktionschef Rüdiger Prehn, wenigstens die Käthe-Kollwitz-Schule in Modulbauweise neu zu bauen, scheiterte.

Dagegen waren sich CDU, SPD und Linke einige, die beiden Schulen sanieren zu wollen und der Regionalen Schule wenigsten noch einen Anbau zu verpassen Die Zahlen, die zu diesem Thema heute durch den Bürgersaal „flogen“ ersparen wir unseren Lesern an dieser Stelle. Denn, wie meinte MUG-Stadtvertreter Ingo Warnke so schön: „Bei einer 50 Jahre alten Engelsschule bleibt es nicht bei den jetzt genannten Summen, da kommt noch ordentlich was drauf, wenn man erst mal bei ist.“

Ohnehin konnten viele Besucher die Meinung einiger Stadtvertreter nicht nachvollziehen, die da lautete, dass die Substanz der alten Schulen doch noch gut sei. Das erklärte beispielsweise CDU-Fraktionschef Ralf Spohr und führte an, dass  sein Enkelsohn in Berlin noch schlechtere Bedingungen habe. Auch SPD-Mann Ralf Schütze hält den jetzigen Zustand für „werthaltig“, sogar die Außenanlagen seien top.

Diese Aussagen kommentierte Zuschauer Dr. Bernd Gotzhein nach dem Beschluss so: „Überall heißt es, dass die Leute in der  alten DDR schlecht gebaut haben, die Häuser alle Schrott sind und nichts taugen. Aber jetzt plötzlich sind sie doch wieder in Ordnung. Immer so, wie man es braucht.“

Bürgermeister Norbert Möller jedenfalls kann den Schweriner „Druckmachern“ morgen einen Beschluss präsentieren, um die sieben Millionen Euro zu „kassieren“. Wie oft die Baumaßnahmen in der Zukunft noch Thema in der Stadtvertretung sein werden, steht in den Sternen. Genauso, wie sich die neue Stadtvertretung nach der Kommunalwahl Ende Mai zusammensetzt.

 


4 Antworten zu “Stadtvertreter entscheiden sich für Schulsanierungen und einen kleinen Anbau”

  1. Norbert Bluhm sagt:

    Der Termindruck war der Sachlage schon sehr schädlich. Dennoch: Flickschusterei statt Neubauten? Und das von den Christlichen, Sozialen & Linken? Interessant! [Was bei einem Oldtimer-Auto (Wertsteigerung) OK sein mag, ist in Sachen Modernität nicht brauchbar.]🤔

  2. R. Prehn sagt:

    Das die LINKEN nach dem Scheitern meines Kompromissvorschlages den Antrag, die Schule Waren/West nicht nur zu rekonstruieren, sondern auch zu erweitern, unterstützt haben, bringt zum Ausdruck, dass wir die Schulen unterstützen wollen und immer unterstützt haben. Mein Kompromissvorschlages sollte erreichen, dass die Neubauidee der FDP/MUG und die Erweiterungsbauidee der anderen Fraktionen beschlossen wird. Leider war keine Mehrheit zu diesem Kompromiss bereit.

  3. East West sagt:

    Da kann man mal wieder sehen,wie wenig diese Stadt für unsere Kinder übrig hat. Nicht das man die Jugend aus dieser Stadt schon vergrault,jetzt sind auch die kleinsten dran. Denen ein vernünftiges und modernes Lernen verwehrt wird.Ihr solltet Euch alle schämen.

  4. KlausR sagt:

    Das Problem an der ganzen Sache ist neben dem zeitlichen Druck auch die nicht wirklich durchplanten Konzepte.

    Großen Respekt an alle Stadtvertreter und Elternvertreter, die neben ihren normalen Job noch viel Freizeit aufwenden um die Schulen auf Vordermann zu bringen!
    Danke dafür!

    Herr Schnur hatte im Nordkurier einen selbst erstellten Grundriss für die Regionale Schule vorgestellt und Herr Warnke schätzt nun höhere Summen als geplant, weil 50 Jahre alte Schule.
    Dann gibt es Planungskosten von Ingenieurbüros und Überschlagskosten für Modulbauweise.
    Und die Stadtverwaltung hat es nicht einmal geschafft ein wirklich passendes Grundstück für die 2 Schulneubauten zu präsentieren oder die Modulbauweise offiziel anzufragen.

    Wem soll man denn da nun glauben, denn es ging ja vorranging um die Zahlen in dieser Diskussion.
    Könnte man für 10 Millionen 2 neue Schulen bauen, dann wäre die Sache ja klar gewesen.

    So muss man sich aber wieder fragen,
    1) ob die Planungskosten für favorisierte Lösungen vielleicht auch mal wieder zu schön gerechnet wurden oder
    2) ob die Modulbauweise vielleicht gar nicht so toll ist, wie beschworen oder
    3) ob die Skizzen von Schnur (immerhin kein Architekt) aussagekräftig genug sind oder
    4) man überhaupt Platz gehabt hätte (vorhandene Grundstücke) für 2 neue Schulen

    Alles in allem haben sich alle Beteiligten sehr bemüht und viel Zeit aufgewendet, aber so wirklich belastbare Dinge sind nicht wirklich rausgekommen, sondern nur wage Schätzungen und Vermutungen.

    Und damit trifft man eigentlich keine Entscheidungen.

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