Statt mildere Strafe ging’s direkt in den Knast

27. Juli 2023

Darf man aus Ärger die Kleidung der Ex verbrennen? Eher wohl nicht. Und wenn das Ganze auch noch in der Wohnung der Frau passiert droht Gefängnis. Das hat ein 27 Jahre alter Mann aus Syrien jetzt beim Landgericht Neubrandenburg lernen müssen. Der junge Mann hatte auf Anraten des Anwalts Berufung gegen seine erste Verurteilung eingelegt und auf eine mildere Strafe gehofft – am besten auf Bewährung. Doch daraus wurde nichts. Berufungsrichter Jochen Unterlöhner schickte ihn glattweg sofort hinter Gitter.
Doch von Anfang an.

Der 27-Jährige sagte, er sei Kurde und vor sieben Jahren nach Deutschland gekommen – nach Neubrandenburg. Er lebe von Hartz IV, habe keinen Beruf, keine Familie, aber sei als Frisör angelernt worden.

Im Jahr 2021 war er mit einer Deutschen in Neubrandenburg liiert. Die Frau ging arbeiten in der Gastronomie, der junge Mann war oft in Shisha-Bars, trank gern Alkohol und verbrachte seine Freizeit in der Wohnung der Freundin. Eigentlich wohnte er aber bei einem Freund.

Als er eine Geldstrafe nicht bezahlte, sollte er in Ersatzhaft, trat diese aber nicht an. Das sollte sich später noch rächen. Im Mai 2022 kam es wieder mal zu einem Streit mit der Freundin. Zu laute Musik als einer der Beiden telefonieren wollte. Der Mann musste gehen und drohte, er werde ihre Wohnung anzünden.

Am nächsten Abend war die Frau bei Bekannten, nahm auch nicht ab, als er sie mehrfach anrufen wollte. „Sie ignorierte ihn“, sagte der Richter. Da war der  junge Mann kurz vor Mitternacht so wütend, dass er mit seinem Schlüssel in die Wohnung der Frau ging, dort Kleider aufstapelte, Schnaps darüber goss und alles anzündete. Dann ging er.

Das Feuer breitete sich aus und erfasste die gesamte Wohnungseinrichtung. Anwohner bemerkten das. Die alarmierte Feuerwehr konnte den Brand löschen, verletzt wurde niemand – wohl durch Zufall. Der Brandstifter war schnell gefunden.

Im März 2023 wurde er wegen schwerer Brandstiftung zu einem Jahr und sieben Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Bewährung gab es nicht. Der Verurteilte  legte Berufung ein und blieb bis Mittwoch deshalb auch auf freiem Fuß.

Diese Berufung wurde nur auf das Strafmaß begrenzt, inhaltlich wurde das Urteil somit anerkannt. Die Staatsanwaltschaft ging ihrerseits aber auch in Strafmaß-Berufung. Sie wollte eine höhere Strafe. Somit war das Landgericht am Mittwoch in der Berufung völlig frei in der Auslegung.

Richter Unterlöhner erklärte den Parteien nach intensiver Beratung, dass er eher eine noch höhere Bestrafung ins Auge fassen würde. Denn für ihn wiege so eine Brandstiftung in einem Mehrfamilienhaus sehr schwer. Da liege der Strafrahmen bei so einem schweren Delikt zwischen 1 und 15 Jahren. Das Amtsgericht hatte noch einen „minderschweren Fall“ zu Grunde gelegt. Da liegt die Höchststrafe bei 5 Jahren. 

Er sehe Vieles, was für eine deutlich höhere Strafe spricht, sagte der Richter ganz offen. Deshalb zog die Verteidigung ihre Berufung nun lieber wieder zurück. Das tat auch die Staatsanwältin, um das Verfahren zügig zu beenden. „Damit ist das Urteil nun auch rechtskräftig“, sagte Unterlöhner. 

Aber dann kam die Überraschung:  Da der Verurteilte weder Arbeit, noch Wohnung und Familie oder andere soziale Bindungen habe, bestehe ein großer Fluchtanreiz für ihn, so der Richter. Deshalb erließ er sofort einen Haftbefehl. Polizisten rückten an und nahmen den überraschten Mann fest.

Der Mann habe sich schon einmal einer – damals nur zweiwöchigen – Haftstrafe verweigert, sagte Unterlöhner. Da müsse man nun durchgreifen. Der Anwalt protestierte zwar, doch der Richter blieb hart.  Die Beziehung mit der Frau, deren Wohnung angezündet worden war, ist inzwischen auch wieder passe. Allerdings saß im Gerichtssaal schon eine neue Freundin. Diese war ebenso überrascht – und brach in Tränen aus.

 

Es blieb aber dabei: Der Mann musste die Beamten in Handschellen begleiten. Die Staatsanwaltschaft wollte zudem dafür sorgen, dass die reguläre Haftstrafe so schnell wie möglich beginnt: Ein Jahr und sieben Monate.

 Ob der 27-Jährige danach noch in Deutschland bleiben darf und will, wo er bis 2026 eine Duldung hat, scheint unwahrscheinlich.


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