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Ein Arbeitsleben für die Sauberkeit

23. Mai 2014

Elruth1In einen öffentlichen Whirlpool würde Elruth Gehrmann nie steigen. Ansonsten ist die Hygenie-Expertin des Landkreises aber nicht pingeliger als andere Menschen auch. Dabei wird ihr dienstlich fast täglich vor Augen geführt, wie wichtig Hygiene ist und was passieren kann, wenn es mit der Sauberkeit nicht so genau genommen wird. Ab morgen kümmert sich die 59-Jährige nur noch privat um die nötige Reinheit, denn sie startet nach ihrem heutigen letzten Arbeitstag in den Ruhestand.

Begonnen hat Elruth Gehrmann ihre berufliche Karriere im Marinedepot Waren und kümmerte sich dort um die Gesundheit der Mitarbeiter. „Ich wollte nach dem Studium unbedingt in den damaligen Bezirk Neubrandenburg, da kam mir die Stelle gerade recht“, erinnert sich die Ärztin.

Nach zwei Jahren wechselte sie als Allgemeinmedizinerin in die Poliklinik, und auch ihr Mann, Zahnarzt Dr. Bernd Gehrmann, bekam an der Müritz eine Stelle. Und so richtete sich die Familie in Waren ein und hat diesen Schritt bis heute nicht bereut.

Hygiene ist das A und O

Die Hygiene spielt seit 1986 eine große Rolle im Arbeitsleben der Fachfrau. Damals wurde sie Kreishygieneärztin in Waren. Auch als stellvertretende Amtsärztin des Landkreises Waren und später als Amtsleiterin des Landkreises Müritz widmete sie sich diesem Thema mit besonderer Leidenschaft.

„Hygiene ist das A und O. Wenn sie vernachlässigt wird, hat das zumeist schwerwiegende Folgen. Werden aber ein paar Regeln eingehalten, kann man viel für die Gesundheit tun“, so Elruth Gehrmann, die stolz darauf ist, dass „ihr“ Gesundheitsamt Müritz in Mecklenburg-Vorpommern einen großen Stellenwert hat und als Ideengeber für das erfolgreiche Projekt „Händewaschen“ gilt. Zwei Kitas aus der Region wurden in dieser Sache mit Preisen geehrt, und Elruth Gehrmann gab ihre Erfahrungen später sogar auf Bundesebene weiter.

Und wie oft wäscht sich eine Hygenie-Expertin am Tag selbst die Hände? „Das kann ich so gar nicht beantworten. Aber sicherlich nicht übertrieben viel. So, wie es eigentlich jeder tun sollte“, antwortet die Warenerin, die in einem Dorf bei Demmin geboren wurde und in Neustrelitz aufgewachsen ist.

Was passieren kann, wenn die Sauberkeit eher lax gehandhabt wird, musste die Medizinerin in ihrer langjährigen Amtszeit häufiger erfahren. Noch heute erinnert sie sich an die mehr als 100 Frauen und Männer, die zu DDR-Zeiten in Bocksee an Salmonellen erkrankten. Auch nach der Wende gab es hin und wieder vermehrte Infektionen, die auf mangelnde Hygiene zurückzuführen waren, doch längst nicht mehr in diesen Größenordnungen.

„Die Prävention hat sich ausgezahlt. Wir haben hier in unserer Region gute hygienische Standards – auch Dank der guten Zusammenarbeit mit medizinischen und anderen Einrichtungen“, schätzt die Expertin ein. Allerdings warnt sie auch: „Heute spielen leider die Kosten eine immer größere Rolle. Diese Sparsamkeit geht mitunter zu Lasten der Hygiene. Da muss unbedingt gegengesteuert werden.“ Ein Ratschlag, den sie ihren fast 20 Mitarbeitern gerne mit auf den Weg, auch wenn es für ihre Stelle vorerst nur einen kommissarischen Nachfolger gibt.

Auf nach Barcelona!

Wird die 59-Jährige ihren Job nach so vielen Jahren im Amt vermissen? „Die Arbeit ja, die Rahmenbedingungen nicht“, meint sie ehrlich und spielt damit auf die Kreisgebietsreform an, die auch in ihrem Bereich vieles schwieriger und komplizierter gemacht habe. Vermissen wird die Neu-Ruheständlerin aber ihr Team, denn mit etlichen Kollegen ist sie viele Jahre lang durch dick und dünn gegangen. Wie mit Rekarda Disteler, die für die Überwachung der Badewasserqualität in der Region verantwortlich zeichnet und seit 27 Jahren mit ihrer Chefin zusammenarbeitet.
„Ich bin ganz schön traurig über den Abschied. Frau Gehrmann hat mir die Hygiene von der Pike auf beigebracht und darüber hinaus sehr viel Lebenserfahrung vermittelt. Sie war eine Chefin mit Herzblut, geradlinig, fordern und fördernd“, meint Rekarda Disteler und glaubt, dass die Lücke, die Elruth Gehrmann im Amt hinterlässt, so einfach nicht so schnell zu schließen sein wird.

Die viele Freizeit, die jetzt im Terminkalender der Ärztin steht, macht ihr keine Angst. Im Gegenteil. Sie will viel lesen, Sport treiben, Zeit mit der Familie verbringen, ihr Grundstück pflegen und genießen sowie reisen. Als erstes im Herbst nach Barcelona. „Da will ich schon lange hin.“
Den Hotel-Whirlpool wird sie aber gewiss auch in der spanischen Stadt links liegen lassen.

Bild unten: Elruth Gehrmann an einem ihrer Lieblingswerke eines einheimischen Künstlers, das in ihrem idyllischen Garten steht.

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