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Erstes Buch veröffentlicht: Müritzerin erfüllt sich einen Traum

9. September 2018

Der Herbst steht vor der Tür und mit ihm wird vieles ruhiger. Der Garten braucht nicht mehr so viel Aufmerksamkeit und abends ist es früher dunkel. Wir ziehen uns nach drinnen zurück und finden wieder etwas mehr Zeit, zum Beispiel … zum Lesen.
Wir haben mit der Autorin des Buches“ Sommersonnenwende” gesprochen. Hinter dem Pseudonym Grete Donner steckt Grit Diller, Mutter von drei Kindern, von denen zwei inzwischen das elterliche Nest verlassen haben. Grit lebt mit ihrem Ehemann, der jüngsten Tochter, einem Kater und einer Katze in Jabel.
Wir wollten mehr über ihre Leidenschaft zum Schreiben und vor allem natürlich ihr erstes, selbst veröffentlichtes Buchprojekt sprechen.

Auf deinem Klappentext steht, die besten Ideen fallen dir beim Laufen durch deinen Wohnort ein. Was inspiriert dich da?

Wenn du läufst, dann ist der Körper so mit sich beschäftigt, dass die Gedanken einfach fließen können. Ich lebe sehr gerne hier, weil die Gegend so unheimlich schön ist. Es ist noch urwüchsig und die Elemente sind alle vertreten. Ich laufe oft am See entlang und bin eins mit mir und der Welt.
Auf diese Art bekomme ich tatsächlich die besten Ideen. Damit ich die bis nach Hause nicht vergesse, nutze ich die Memo-Funktion von meinem Handy. Abends schreibe ich runter, was mir so eingekommen ist und füge die Ideen später zusammen.
Ich glaube, man denkt sich Geschichten gar nicht aus. Irgendwo gibt es wahrscheinlich einen riesigen Pool. Dort sind alle Geschichten drin. Und wenn du Glück und den entsprechenden Kanal offen hast, dann bekommst du eben von dort eine tolle Geschichte runtergeladen (lacht).
Es ist tatsächlich manchmal so, dass ich nicht weiß, warum mir irgendeine Idee kommt, die teilweise nichts mit der aktuellen Geschichte zu tun haben scheint. Und dann, hundert Seiten später – bingo – da passt es plötzlich ins Bild. Ich habe natürlich prinzipiell einen roten Faden und weiß, wie ein Buch anfangen und enden soll. Aber dazwischen kann sich ganz viel entwickeln, wovon ich am Anfang selbst noch keine Ahnung habe. Das ergibt sich. Manchmal bin ich selbst total überrascht.

Dein Pseudonym ist Grete Donner …

Das habe ich bewusst gewählt. Als Grit Diller habe ich einen Job und vermiete Ferienwohnungen. Das ist ein komplett anderer Aspekt meiner Persönlichkeit. Anfangs wollte ich den Fakt, dass ich nebenbei auch Bücher schreibe, nicht unbedingt publik machen, aber dann habe ich doch immer mehr Leute involvieren müssen. Irgendwann dachte ich mir dann auch, dass es Quatsch ist, Grete zu verstecken. Die Bücherschreiberei ist mein ganzes Leben lang schon ein Teil von mir und ich bin stolz darauf. Das muss ich nicht geheim halten.

Unpolitischste Mensch überhaupt

In deinem Intro greifst du die Judenverfolgung auf. Wie stehst du zu diesem Teil der Geschichte und warum ist sie Thema in deinem Buch?

Meiner Meinung nach ist jeder Krieg, egal mit welcher Motivation, einer zu viel. Es ist immer falsch, Menschen umzubringen, egal ob schwarz, weiß oder sonst wie. Der Glaube des Einzelnen ist mir auch völlig egal. Ich denke, Menschen sollten sich immer genauso respektieren, wie sie sind, auch und gerade in ihrer Andersartigkeit. Wenn das jeder machen würde, wäre die ganze Menschheit schon zehn Schritte weiter. Die Erde könnte das Paradies sein, was sie eigentlich ist. Der Mensch ist es, der teilweise die Hölle draus macht. Niemand sonst.
Hinter dem Intro meines Buches steckt also keine wie auch immer geartete politische Motivation, weil ich wahrscheinlich der unpolitischste Mensch bin, den du dir vorstellen kannst. Es war einfach so, dass die zeitliche Abfolge passte. Die Geschichte spielt 2008 und ich habe eine bestimmte Zeitspanne zurückdenken müssen. Da fiel 1942 eben genau rein. Und das war nun mal die Zeit des zweiten Weltkriegs.

Wie lange hattest du die Idee von “Sommersonnenwende” im Kopf, bis du sie in die Tat umgesetzt hast?

Ich habe schon mein ganzes Leben Geschichten im Kopf. Viele habe ich aufgeschrieben und manche nicht. Es gab aber nie eine Zeit, in der mein Kopf frei von Ideen war. Nur mit dem Veröffentlichen war es schwieriger, weil ich dummerweise immer Riesenprojekte im Kopf habe. Der Kanal für Kurzgeschichten scheint bei mir verstopft zu sein. Das erste „Projekt“, was ich belegen kann, ist ein Gedicht mit vier Strophen. Das habe ich in der ersten Klasse mit Krakelbuchstaben aufgemalt. Es handelte von einem Autoreifen, der immer weiter rollen musste. Aufsätze habe ich geliebt, zumindest, wenn sie nicht politisch infiltriert sein mussten.
Mein erstes Märchen schrieb ich mit zehn. Ein Kinderbuch liegt seit einiger Zeit fertig bei einer Kinderbuchagentur in Frankfurt am Main. Das Projekt ist allerdings für eine Altersgruppe (zwischen 12 und 14) gedacht, in welcher die Kids, also gerade die Jungs, nicht mehr so gerne lesen. Es ist daher schwierig, auf diesem Markt ein derartiges Buch zu platzieren. Aber irgendwann findet sich da sicher ein Abnehmer und die Tatsache, zumindest bei einer seriösen Agentur angenommen worden zu sein, hat mich letztlich darin bestärkt, einfach weiterzumachen.

„Das war ein tolles Gefühl“

Also war die Zeit reif für einen Roman?

Den Plot für „Sommersonnenwende“ habe ich schon sehr lange im Hinterkopf. Erst jetzt, wo die Kinder groß und teilweise aus dem Haus sind, entstehen wieder mehr Freiräume für mich. Vorher konnte ich mich nur nachts, wenn alles erledigt und ruhig war und die Kinder schliefen, solchen Projekten widmen. Das wird jede Mutter kennen. Also zog sich die Ausführung eben hin.
Da ich aber auch berufstätig bin und wir darüber hinaus auch noch Ferienwohnungen betreiben, ist die Schreibzeit trotzdem für mich eine nächtliche Aktivität geblieben.
Im Januar dieses Jahres habe ich dann einen „Ruck“ bekommen, das erste Buch von „Sommersonnenwende“ konkret jetzt anzugehen. Es war ein Impuls beim Lesen eines Jugendromans, der mich dazu angestachelt hat. Außerdem muss ich die Motivation auch meiner Freundin zugute halten, die mich schon seit etwa zehn Jahren immer wieder darum gebeten hat, das Buch endlich zu schreiben. Sie ist eine Leseratte und hat damals den Prolog gelesen. Ich habe ihr den roten Faden im Groben erzählt. Sie meinte, die Geschichte würde sie total abholen und wollte unbedingt wissen, wie sie ausgeht.

Also saß ich dann ab Januar monatelang beim Schreiben und das gerne mal bis nach Mitternacht, obwohl der Wochentag auch bei mir schon um kurz nach sechs Uhr startet. Das letzte halbe Jahr war demzufolge echt anstrengend, abgesehen vom Winterurlaub. Da hatte ich meine konstruktivste Phase. Ich fahre nämlich nicht Ski, meine Familie aber schon. Diese Zeit gehörte also mir und ich konnte die ganze Woche Leila, der Hauptprotagonistin von „Sommersonnenwende“, widmen.
Ich hatte mir zwischendrin vorgenommen, am 21. Juni fertig zu sein, weil es doch so schön passen würde. Und tatsächlich war es einen Tag vor der Sommersonnenwende wirklich so weit. Ich saß am See und wollte noch eine Sequenz am Ende des Buches einarbeiten, als ich plötzlich festgestellt habe: ‚Moment mal – das brauchst du nicht zu schreiben. Das Ende ist perfekt so. Du bist fertig.‘ Das war ein tolles Gefühl.

Das größte Kompliment kam übrigens von meinem Mann. Da ich mir leider noch kein professionelles Lektorat leisten konnte, habe ich Freundinnen als Test- und Korrekturleserinnen angeheuert, da es sich in erster Linie um ein Frauenbuch handelt. Wir brauchten aber noch einen Leser, der die Geschichte nicht kannte. Man wird etwas betriebsblind, wenn man einen Test immer und immer wieder liest. Da sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Also wurde mein Mann zwangsverpflichtet. Er musste es lesen, und ich hatte echte Bauchschmerzen, weil ich wusste, dass er kein Blatt vor den Mund nehmen wird. Das mein Buch IHM gefallen hat, war tatsächlich für mich das größte Kompliment.

Oft auf Rügen im Urlaub

Du beschreibst einige Szenen sehr detailgetreu. Vom Blumenduft bis hin zum Aussehen der Figuren. Welche Vorbilder hast du?

Ich kann am besten über Sachen schreiben, die ich kenne und Orte, an denen ich gewesen bin. Ich muss eine plastische Vorstellungvon Locations haben. Menschen im Roman wirken nach meiner Meinung am lebendigsten, wenn der Autor jemanden im Hinterkopf hat, den er kennt und den er deswegen sehr gut beschreiben kann. Ich könnte nicht jede Person aus meinen Büchern mit hunderpro einem oder einer Bekannten aus meinem Leben identifizieren, aber wenn ich nachdenke, dann finde ich in meinem Umfeld ganz sicher überall jemanden, zu dem manche Eigenarten passen. Man nimmt als Schreiberling wahrscheinlich intuitiv ein bisschen von dieser und ein bisschen von jener Person und mixt sich die Protagonisten dann passend zusammen. Je besser ich beschreiben kann, desto glaubhafter werden der Charakter eines Protagonisten oder der Ort, an dem er sich aufhält. Nur dann wird es dreidimensional. Zumindest glaube ich das.

Ein Beispiel: Ich schmökere unter anderem gerne Jugendbücher und habe in diesem Zusammenhang eine siebenteilige Geschichte gelesen, die wirklich toll anfing. Der Plot insgesamt klang vielversprechend. Und wenn die Autorin über New York schrieb, war das Buch wirklich klasse. Da war man als Leser sofort mit drin und wusste: sie kennt sich aus. Dazu hat sie sich jedoch eine Parallelwelt ausgedacht, die mich leider nicht abgeholt hat. Ich empfand die entsprechenden Szenen jedes Mal als flach und eindimensional und nicht glaubhaft. Das war beim Lesen sehr ärgerlich und auch die Tatsache, dass sie eine Liebesgeschichte über sieben knüppeldicke Bücher gestreckt hat, verleidete mir den Spaß. Sie kamen zusammen, sie rannten auseinander und die Gründe wurden immer mehr an den Haaren herbeigezogen. Ich habe irgendwann aufgegeben. Aber diese Erfahrung hat mich am Ende noch mehr inspiriert, selbst endlich die Liebesgeschichte zu schreiben, die in meinem eigenen Kopf rumschwirrte und Fehler dieser Art zu vermeiden.

Warum das Buch allerdings auf Rügen spielt, könnte ich jetzt gar nicht hundertprozentig sagen. Ich verbinde damit viel Schönes. Als Leipzigerin bin ich mit meinen Eltern früher mindestens sechs Mal auf Rügen im Urlaub gewesen. Das hat sicher geprägt. Und die „Bella Vista“, in welcher die Hauptprotagonistin von „Sommersonnenwende“, wohnt, gibt es auch, diese steht allerdings nicht in Binz. Ich habe in Berlin darin gewohnt und das sehr gern. Auch das Kutscherhaus gibt es tatsächlich. Ich habe aber beide etwas größer gemacht, als sie sind, sonst hätte die Geschichte nicht hineingepasst.

Krafttankstelle gutes Buch

Welchen deiner Figuren hast du am meisten in dein Herz geschlossen?

Leila natürlich! In ihr steckt ganz viel von mir, meiner Tochter und noch zwei drei anderen Leuten, die ich mag. Das Schöne ist ja, dass man sich seine Protagonisten einfach maßschneidern kann.

Das Buch neben „lustig, romantisch und spannend“ in drei eigenen Worten erklärt …

Dreidimensional – davon lebt ein Buch. Ich hatte den Anspruch, ein Buch zu schreiben, das im Kopf wie ein Film abläuft, bei dem die Leserin sich mitverlieben kann, mitfiebert, mitlebt und das trotzdem noch genug Raum für eigene Fantasien und Spekulationen lässt. Meine Nachbarin hat zum Beispiel einmal vergessen, das Mittagessen zu kochen, weil sie jede freie Minute zum Lesen genutzt hat (schmunzelt).

Abtauchen – Ich glaube, gerade starke Frauen, die viel im Alltag zu stemmen haben, brauchen Auszeiten, in denen sie aus der Maschinerie aussteigen und den Kopf mal ausschalten können. Solche Frauen finden es toll, wenn sie eine Liebesgeschichte lesen können, wo sie sich verlieben dürfen, ohne ihrem Mann gegenüber ein schlechtes Gewissen zu haben. Im Alltag fehlt sowas.

Kraft – Ich denke, dass Menschen immer wieder Kraft tanken müssen, gerade Frauen, die in ihrem Doppelrollenspagat als Familienmanagerin und Arbeitnehmerin stehen. Ich schließe mich da nicht aus, ganz im Gegenteil. Ich denke, ich bin eine echte Durchschnittsfrau und kenne mich mit dem ganz normalen Wahnsinn daher bestens aus. Eine Kraft-Tankstelle kann ein schöner Abend zu zweit sein, ein Treffen mit Freunden – oder aber auch ein gutes Buch,  das mich aus dem Alltag wegbeamt und mir damit ganz andere Energiequellen öffnet. Ich hatte den Anspruch, eine packende Geschichte zu schreiben mit Romantik, Mystik, Spannung und Liebe und Energie, keine Lala-Geschichte. Und zumindest spüre ich, wenn ich sie lese, dass es mir gelungen ist. Das heißt schon was. Aber es ist sicher utopisch sich vorzustellen, alle Menschen damit abholen zu können.

Wenn du deinem Buch eine Farbe zuordnen würdest, welche wäre das?

Türkis! Das ist meine absolute Lieblingsfarbe.

Die Einschätzung ihres Ehemannes als schärfsten Kritiker:

Was ich als Leser beeindruckend finde ist, dass die Autorin, obwohl das Buch ein dicker Wälzer ist, der in verschiedenen Zeiten spielt, nie den Faden verliert. Ein Fluch, der sich über mehrere Generationen fortsetzt, wird immer wieder als Bezugspunkt gesetzt.
Die spritzigen Dialoge der Charaktere lassen die Geschichte außerdem total kurzweilig erscheinen. Das hat mich beeindruckt. (Selbst)Man(n)ist gespannt, wie es weiter geht.
Meine Frau teilt mit mir die Liebe zur Natur. Auch das kommt in dem Buch gut zum Tragen, weil viele Szenen in der Natur spielen und da ist es egal, ob du an der Ostsee, der Müritz oder dem Schmachter See stehst. Sie schreibt allerdings hauptsächlich über Alltagssituationen, wie ich und du sie erleben. Die ganzen Banalitäten, die das Leben ausmachen, wenn du jung bist. Das verpackt sie sehr lustig und nicht zuletzt dieser Fakt macht die Geschichte so lebendig.


4 Antworten zu “Erstes Buch veröffentlicht: Müritzerin erfüllt sich einen Traum”

  1. Claudia sagt:

    Dieser Artikel hat mich jetzt wirklich neugierig gemacht auf das Buch!
    Vor allem aber erkenne ich viele der Aussagen der Autorin in mir selbst wieder. Meine ersten Geschichten habe ich mit ca. 12 Jahren geschrieben, dann immer mal wieder Gedichte oder kurze Geschichten. Irgendwann werde ich vielleicht auch mein eigenes Buch in den Händen halten. Ideen gibt es genug in meinem Kopf, aber „meine Zeit ist noch nicht gekommen“ ;-)
    Ich wünsche der Autorin weiterhin viel Erfolg, Geduld und Kraft für dieses und auch folgende Werke!

  2. Mario Koch sagt:

    Na Grit, meinen Glückwunsch! Schön, dass du es geschafft hast. (Mario)

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