
Nach der Ankündigung des Discounters Lidl, sein Kindermarketing für ungesunde Lebensmittel zu beenden, hat die Verbraucherorganisation foodwatch die Handelsketten Aldi Süd und Aldi Nord aufgefordert, dem Beispiel zu folgen. Ein Blick in die Regale von Aldi zeige, dass nach wie vor zahlreiche Produkte mit Kinderoptik nach WHO-Kriterien ungesund seien. Das Unternehmen torpediere damit das Bemühen vieler Eltern, ihre Kinder für eine gesunde Ernährung zu begeistern, kritisierte foodwatch. Angesichts der steigenden Zahl übergewichtiger Kinder müsse Aldi Verantwortung zeigen und nur noch ausgewogene Produkte seiner Eigenmarken an junge Menschen bewerben.
Lidl will Lebensmittel seiner Eigenmarken, die nach den Nährwert-Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als ungesund gelten, nicht mehr an Kinder bewerben. So sollen bis Ende 2025 nur noch die Verpackungen ausgewogener Produkte mit Comicfiguren oder Spielzeugbeigaben für Kinder gestaltet werden, erklärte das Unternehmen heute. Ausnahmen soll es lediglich für Saisonartikel zu Weihnachten, Ostern und Halloween geben. Auch im Fernsehen, Internet und Radio will der Discounter nur noch gesunde Lebensmittel an Kinder vermarkten.
Junkfood-Marketing stoppen
„Als erstes Handelsunternehmen wird Lidl Kinder nicht mehr mit bunten Bildern und Comicfiguren auf den Verpackungen von Zuckerbomben und fettigen Snacks ködern. Im Gegensatz zu den laschen Selbstverpflichtungen anderer Lebensmittelunternehmen, orientiert sich Lidl an den wissenschaftlich fundierten Kriterien der Weltgesundheitsorganisation. Angesichts grassierender Fehlernährung bei jungen Menschen mit zum Teil tödlichen Folgen ist der Vorstoß von Lidl ein wichtiger, aber auch längst überfälliger Schritt. Konkurrent Aldi muss dem Beispiel von Lidl folgen und sein dreistes Junkfood-Marketing auf Kosten der Kindergesundheit stoppen“, erklärte Luise Molling von foodwatch.
Aldi hat laut einem foodwatch-Schnellcheck etliche ungesunde Produkte in Kinderoptik im Sortiment. Fünf Beispiele:




Milsani Schoko- und Sahnepudding mit Schokolinsen: Die bunten, knusprigen Schokolinsen machen den Pudding nicht nur attraktiv für Kinder, sondern verwandeln ihn auch in eine Zuckerbombe: Der kleine 155-Gramm-Becher enthält knapp 30 Gramm Zucker – also 10 Zuckerwürfel. Auch dieses Produkt sollte sich laut WHO nicht an Kinder richten.
Das Nährwertprofil-Modell der WHO bewertet Lebensmittel anhand ihrer Nährwertzusammensetzung dahingehend, ob sie sich im Marketing an Kinder richten dürfen oder nicht. Dabei sind die Anteile von Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz, aber auch der Kaloriengehalt, Zuckerzusätze und zugefügte Süßstoffe ausschlaggebend.

Um Kinder zu schützen, hatten die Ampel-Parteien im Koalitionsvertrag angekündigt, gegen Junkfood-Werbung vorzugehen. Das Bundesernährungsministerium dürfte schon in Kürze einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen. Dieser wird jedoch in erster Linie die Werbung im TV, Radio und Internet umfassen, nicht die Verpackungsgestaltung. foodwatch warnt vor einem Schlupfloch: Mit Comicfiguren auf Verpackungen von Süßwaren und fettigen Snacks fördere die Lebensmittelindustrie Fehlernährung insbesondere bei Kleinkindern, die über andere Kanäle kaum erreicht würden, aber mit ihren Eltern einkaufen gingen, mahnte die Verbraucherorganisation.
Werbung für Lebensmittel mit viel Zucker, Fett oder Salz hat nachweislich einen Einfluss auf das Essverhalten. Kinder essen etwa doppelt so viel Süßigkeiten, aber nur halb so viel Obst und Gemüse wie empfohlen. Aktuell sind etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen von Übergewicht und sechs Prozent sogar von starkem Übergewicht (Adipositas) betroffen. Ihnen drohen im späteren Leben Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, Gelenkprobleme, Bluthochdruck und Herzerkrankungen. Jeder siebte Todesfall in Deutschland ist laut Daten der OECD auf ungesunde Ernährung zurückzuführen.







Neueste Kommentare