Metallgusswerk rechnet 2023 mit sehr gutem Geschäftsergebnis

5. August 2023

Gute Wirtschaftsnachrichten von der Müritz: Die Mecklenburger Metallguss GmbH braucht noch Fachleute. Das wurde jetzt bei einem Besuch von MV-Staatssekretär Patrick Dahlemann in Waren deutlich, denn nach Angaben von MMG-Geschäftsführer Lars Greitsch hat die Traditionsfirma so viele Aufträge abzuarbeiten, wie schon lange nicht mehr. „2023 werden wir unser zweitbestes Ergebnis in der Firmengeschichte nach dem Rekordjahr 2015 erzielen“, erklärte Greitsch. „Wir haben im ersten Halbjahr bereits 50 Millionen Euro Umsatz erreicht, das hatten wird in der Vergangenheit manchmal im ganzen Jahr“, meinte der Manager. Somit werde MMG 2023 insgesamt „an der Umsatzmarke von 100 Millionen Euro kratzen.“ Da es auch schon viele Aufträge für 2024 und auch bereits für 2025 gibt, soll die Belegschaft von jetzt 200 Mitarbeitern auf 210 Beschäftigte wachsen.

Das Fundament dafür habe die Warener selbst gelegt – und zwar schon 2013. „Da haben wir die ersten Retro Fit-Propeller gegossen“, sagte Greitsch. Das sind speziell auf die Antriebe der Schiffe und ihre neuen Geschwindigkeiten ausgelegte Antriebspropeller. Denn waren vor allem die Container- und LNG-Tankschiffe früher mit maximaler Motorisierung so schnell wie möglich auf den Ozeanen unterwegs, hat sich dies gewandelt.

Die Reeder achten mehr darauf, dass die Schiffe trotz immer größeren Lasten spritsparend fahren – also langsamer, aber kontinuierlicher – und so auch der CO2-Ausstoß gesenkt wird. Dazu kommen immer strengere Umweltauflagen der internationalen Schifffahrtsbehörden.

Insofern hat sich weltweit herumgesprochen, dass die Ingenieure des Warener Metallgusswerkes ihr Handwerk beherrschen und genau errechnen, wie ein Propeller der Zukunft auf einen Schiffsantrieb abgestimmt wird. Dazu kann man speziell gegossene Gußkappen anbauen, die die Strömungsverluste am Heck und damit auch den Treibstoffverbrauch minimieren.

Lebte das MMG Anfang der 2000er Jahre vor allem vom Schiffsneubau, ist das lange vorbei. „Wenn wir die Retro Fit-Technologie nicht angeschoben hätten, gäbe es MMG heute hier nicht mehr“, ist sich Greitsch sicher. Denn die Konkurrenz ist hart. In dieser Größenordnung – die größten Schiffsschrauben aus Waren haben Durchmesser von 10,5 Meter und Gewichte von mehr als 110 Tonnen – gibt es weltweit nur sechs Konkurrenten in China, eine Gießerei in Japan  und zwei Konkurrenzgießereien in Südkorea. Die haben es auch dichter zu den größten Werften der Welt, die es ebenfalls in Asien gibt.

Sechs Monate für einen Propeller

Bisher könne man auch die höheren Energiepreise an die Kunden weitergeben, erläuterte der Geschäftsführer. Trotzdem müsse man darauf achten, in Europa wettbewerbsfähig zu bleiben. Die beiden anderen MV-Gießereien in Torgelow und Ueckermünde hatten sich der Forderung nach einem Industrie-Strompreisdeckel angeschlossen.

Das ist in Waren etwas anders. Zwar wird hier auch viel Strom verbraucht, doch bei den Riesenpropellern ist der Bearbeitungsanteil deutlich höher als bei den Auto-Bremsteilen aus Ueckermünde und den ebenfalls schweren Windkraftmaschinenteilen aus Torgelow. Dort wird nach dem präzisen Guss fast nur noch geputzt, an den Propellern aber ordentlich Material runtergeschliffen. In Waren, wo seit 75 Jahren Propeller hergestellt werden, arbeitet man bereits halbautomatisch und dreischichtig, ein Roboter ist in Arbeit. Das sichere die Arbeitsplätze.

Insgesamt werden etwa sechs Monate für einen neuen Propeller veranschlagt, davon zwei Monate für den Guss und vier Monate für die Bearbeitung. Seit 2013 wurden schon rund 400 Schiffe mit den Effizienz-Propellern ausgerüstet, jährlich kommen 70 bis 90 Propeller dazu.

Verbesserungsbedarf sieht Greitsch vor allem bei der Zusammenarbeit mit der Autobahn GmbH des Bundes, die seit kurzem für die Schwertransporte, die meist nach Hamburg gehen, zuständig ist. Hier gebe es noch deutliche Reserven. Die MMG ist nicht die einzige Gießerei, bei der das der Fall ist. Denn obwohl die Transporte der Gießereiprodukte in der Regel immer ähnliche Voraussetzungen haben, seien die Genehmigungsverfahren viel zu aufwendig.


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