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Nach Corona: Bundespolizei und polnische Partner üben an Grenze

18. Oktober 2021

Autodiebstahl, E-Bike-Klau oder Pflanzenschutzmittel sowie Steuerungstechnik aus Agrarmaschinen – die Liste von kriminellen Delikten, die die Bundespolizei an der Grenze zu Polen mit Banden aus Osteuropa in Verbindung bringt, ist immer noch sehr lang. In der Corona-Zeit sind diese Delikte zwar zeitweise etwas zurückgegangen, sagte der Leiter der Bundespolizei an der Grenze zu Polen, Jürgen Köhler. Doch das ist vorbei.
Um solche Kriminellen und auch Schleuser besser zu erkennen, sie rechtssicher und verletzungssicher dingfest zu machen, hat die Bundespolizei zusammen mit ihren polnischen Partner jetzt in Pomellen wieder trainiert. Die 18 Teams, die jeweils aus einem deutschen und einem polnischen Beamten bestehen, werden seit 2016 schon eingesetzt, um Kriminelle auch grenzübergreifend  und zweisprachig verfolgen zu können. Mit Erfolg, sagen Köhler und sein polnischer Kollege aus Stettin. Die Tatverdächtigen sind manchmal regelrecht erschrocken, dass jemand dabei ist, der ihre Sprache vielleicht gleich versteht.

Das Szenario: Unter den Augen der Chefs stoppen zwei Beamte ein ziviles Auto. „Bitte mal den Motor ausschalten“ ruft ein Bundespolizist dem Fahrer durch die geöffnete Seitenscheibe zu. Dieser zeigt auf eine Frau in seinem Auto, die angeblich gesundheitliche Probleme hat.

Die beiden Beamte gehen zur Beifahrerseite, um der Frau zu helfen. Das nutzen der Fahrer, der das Auto ausgeschaltet hat, und ein Insasse: Beide laufen weg und werden nicht gleich verfolgt. Schutz für die Gesundheit geht vor, sagt der Ausbilder.

Es wäre nicht das erste Mal, dass so etwas wie das Flüchten passiert, sagte Ausbilder Axel Gladow, der sich das Szenario ausgedacht hat. Es sei eine Auto-Kontrollszene wie sie in der Grenzregion immer wieder mal vorkommt, denn in den Autos aus Skandinavien und Westeuropa sitzen nicht nur Leute mit ganz hehren Idealen, wie die Erfahrung besagt.

„Wir machen das, um uns zu schützen und niemanden bei den Einsätzen zu verletzen“, sagte Köhler, der über 300 Frauen und Männer in der Grenzregion „befiehlt.“ So dürfen Polizisten sich beim Anhalten nicht direkt vor den Wagen stellen, solange dessen Motor noch läuft. Das ist viel zu gefährlich, meinte der Ausbilder. Außerdem üben die Männer, wie die Flüchtigen gefangen, ihnen echte Handschellen angelegt und sie vorschriftsmäßig in die Autos „verladen“ werden. Zudem gibt es deutlich Unterschiede im Rechtssystem.

So dürfen zivile Polizeistreifen in Deutschland Fahrzeuge kontrollieren und verfolgen. Wenn sie sich zu erkennen geben, müssen die Betroffenen anhalten. Wer nichts zu verbergen hat, dem dürfte das auch nicht schwerfallen. Das gilt in Polen nicht so uneingeschränkt. Um auszuschließen, dass Unberechtigte sich als zivile Polizisten ausgeben, müssen Fahrzeugführer in Polen nicht sofort anhalten. Es könnte ja auch jemand sein, der ihnen etwas Böses will.

Wer sich in Polen nicht von zivilen Streifen kontrollieren lassen will, muss das deshalb nicht sofort. Dieser müsse aber zur nächsten Polizeidienststelle fahren. Dort solle er den Fall melden, sagte ein Experte.

Das Training dauert den ganzen Tag, auch Kindesentziehung  und Buskontrollen wurden schon geübt. Auf jeden Fall sind die gemeinsamen deutsch-polnischen Streifen in einem Korridor von etwa 50 Kilometern zu beiden Seiten der Grenze unterwegs – inzwischen auch in zivil, heißt es.


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