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Nächste Etappe im Fall Alt Rehse: Angeklagter wieder hinter Gittern

13. September 2018

Aufatmen in Alt Rehse: Axel Ingo G. ist wieder hinter Gittern. Das Oberlandesgericht Rostock hat einen Haftbefehl gegen den 53-Jährigen erlassen, wie WsM jetzt aus Justizkreisen erfuhr. Bei dem Mann bestehe durchaus Fluchtgefahr, da er mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen muss, argumentierten die Oberlandesgerichtsjuristen.

Damit „kassierten“ die Rostocker eine Entscheidung des Landgerichtes Neubrandenburg schnell wieder ein.

Die Neubrandenburger Richter hatten den zweiten Prozess gegen Axel Ingo G. nach mehreren Monaten Verhandlung vor etwa acht Tagen eingestellt, da ein Richter länger erkrankt sei und ein zweiter Richter bald in Pension gehen müsse. Damit wäre die Besetzung der Kammer nicht mehr wie vorgeschrieben durchgängig gesichert, bis der Prozess abgeschlossen werden könnte. In dem Zusammenhang hatte die Kammer den Mann auch in Freiheit ziehen lassen. Von ihm gehe keine Gefahr mehr aus, habe sich nach einer Einschätzung einer Expertin ergeben, hieß es. In Alt Rehse machte sich Unruhe breit (WsM berichtete).

Das sah die Staatsanwaltschaft allerdings anders. Die Ankläger legten Beschwerde beim Oberlandesgericht ein und hatten Erfolg. Der IT-Fachmann wurde am Mittwoch wieder festgenommen. Er war bei Bekannten außerhalb von Alt Rehse untergekommen.

Das Landgericht Neubrandenburg ist damit nun unter Zeitdruck geraten. Es muss den Prozess möglichst schnell wieder aufnehmen. Vorsitzender dieser Strafkammer wird dann nicht Gerichtssprecher Carl Christian Deutsch , wie zuletzt, sein: Er geht bald in den Ruhestand.

Axel-Ingo G. war seit Sommer 2016 in U-Haft. Er war vor Jahren wie viele Andere aus dem Süden Deutschlands nach Alt Rehse gekommen, überwarf sich mit den Initiatoren des damaligen Tollense-Lebensparks, die inzwischen alle weg sind, und erwarb die Gaststätte. Nach dem Tod seiner Frau entwickelte er sich aber mehr und mehr zum Sonderling.

Im Sommer 2016 fanden Polizisten eine zum Teil bereits verweste Leiche in seinem Haus. Die Beamten waren wieder einmal wegen einer Ruhestörung gerufen worden. Die Tote war in Decken gewickelt auf eine Sackkarre geschnallt und soll etwa zwei Monate vorher gestorben sein.

Untersuchungen ergaben, dass es sich um die 32 Jahre alte Frau aus Rheinland-Pfalz handelte, die durch eine Kuppelshow bei Sat.1 bekannt geworden und nach Alt Rehse gezogenwar.

Axel Ingo G. habe sie damals ausgepeitscht, gefesselt und sterben lassen. Er war 2017 wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Freiheitsberaubung mit Todesfolge zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Damals hatte er lange geschwiegen, sich im „letzten Wort“ aber doch geäußert, dass der Tod seiner Lebensgefährtin für ihn „überraschend gekommen“ war.

Die Strafe akzeptierte er nicht, seine Revision nahm der Bundesgerichtshof an. Nun muss die Neuverhandlung bald wieder beginnen. Dabei soll neu eingeschätzt werden, in welchen psychischem Zustand sich der 53-Jährige damals befand. Davon hängt das Strafmaß oder eine Unterbringung in einer Klinik ab.


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