Plakate statt Skalpelle: Knapp 40 Ärzte des MediClin Müritz-Klinikums haben heute früh bei einem Warnstreik ihren Unmut über ihre Arbeitsbedingungen zum Ausdruck gebracht. Um nicht nur die Arbeit im Krankenhaus niederzulegen, sondern auch der Öffentlichkeit mitzuteilen, wie ihre augenblickliche Situation ist, zogen sie mit weißen Kitteln, Trillerpfeifen und Plakaten zum Kreisel unterhalb der Herrenseebrücke und erfuhren durch hupende Autofahrer viel Zuspruch. Hintergrund des Warnstreiks, der bis Mitternacht andauert, ist der noch immer fehlende Tarifvertrag für die Mediziner, was letztendlich zu einem „Ausbluten beim Personal“ führe und damit die Existenz des Hauses massiv bedrohe. Und so war dann auf einem Plakat auch zu lesen: „Patient: MediClin Müritz-Klinikum, Todesart: unnatürlich, Todesursache: Verwaltungs-Organversagen.“

Schon kurz nach der Übernahme des Krankenhauses im Jahr 2001 durch die MediClin AG habe es keine tarifliche Bindung mehr gegeben, die Bezahlung, so schilderte es Oberarzt John Töpfer, erfolge seither nach Gutdünken. Das habe unter anderem dazu geführt, dass Mitarbeiter mit gleichem Ausbildungsstand deutlich unterschiedlich bezahlt werden.
Erdrutschartige Verluste von Mitarbeitern
Die Bemühungen um einen Tarifvertrag gebe es schon lange, doch bislang habe MediClin diesen immer verhindert. „So entwickelt sich das Müritz-Klinikum immer mehr zu einem unattraktiven Arbeitgeber. Keinen Tarifvertrag zu haben, bedeutet für die Ärzte in Waren, eine dem Wohlwollen des Arbeitgebers unterliegende, verspätete und inadäquate Anpassung der Gehälter, eine unzureichende Bezahlung der Bereitschaftsdienste und Rufbereitschaften, fehlende Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit, weniger Urlaub, das Fehlen rechtskonformer Regelungen zur Arbeitszeit und Arbeitszeiterfassung…“ schilderte der Chirurg. Die Konsequenz seien hochbelastete und unzufriedene Mitarbeiter, Kündigungen, fehlende Bewerber auf offene Stellen, Handlungsunfähigkeit einzelner Abteilungen, Anstellung teurer Honorarärzte, die existentielle Bedrohung des Standortes Waren und damit erhebliche Einschränkungen in der Patientenversorgung für Einheimische und Urlauber.

Die abgewanderten Ärzte würden zum großen Teil in umliegenden Häusern wie in Amsee, Neustrelitz, Güstrow oder Neubrandenburg arbeiten. Wenn alle Kollegen, deren Kündigungen jetzt schon auf dem Tisch liegen würden, in den kommenden Wochen tatsächlich gehen, dann sei es höchstwahrscheinlich zu spät, der Klinikstandort drohe zu kollabieren. „Wer soll die Bevölkerung aus Waren und Umgebung dann behandeln? Wo sind die vielen überzähligen, nicht ausgelasteten Kliniken von denen in der Politik dieser Tage gesprochen wird? Die Kliniken, die nur darauf warten, tausende Behandlungsfälle aus Waren und Umgebung zu übernehmen? Mir sind sie nicht bekannt“, zeichnet Dr. Philipp Stahlknecht eine düstere Zukunft.
Kein Interesse an Gespräch mit dem Bürgermeister
Auch Warens Bürgermeister Norbert Möller und der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Arlt suchten heute das Gespräch mit den streikenden Ärzten und sehen die jetzige Situation im Klinikum als bedrohlich für den Standort an. „Durch die Krankenhausreform ist der Standort Waren gesichert, aber die Geschäftsführung von MediClin macht momentan alles, damit das nicht mehr so ist“, kritisierte Arlt. Sowohl er als auch der Bürgermeister wollten schon vor einiger Zeit einen Gesprächstermin mit dem neuen Chef im Warener Krankenhaus. Doch der hatte kein Interesse.

Bekommen haben wir einen nichtssagenden Standard-Text aus der Presseabteilung. Und zwar: „Wir sind uns der Bedeutung der Anliegen bewusst, die durch den Warnstreik am 21. Januar 2025 zum Ausdruck gebracht werden sollen. Es liegt in unserem Interesse, die Belange der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr ernst zu nehmen und konstruktive Lösungen zu finden, die sowohl für das Klinikpersonal als auch für die Patientinnen und Patienten tragbar sind…Wir stehen in regelmäßigem Kontakt mit unserer Ärzteschaft und sind weiterhin gesprächsbereit, um die Verhandlungen voranzutreiben. Unser Ziel ist es, im Dialog eine einvernehmliche Lösung zu finden, die sowohl die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten verbessert als auch die finanziellen Rahmenbedingungen der Klinik berücksichtigt.“
Das dürfte wie Hohn in den Ohren der Ärzte, die seit Monaten vergeblich versuchen, die Geschäftsführung an den Verhandlungstisch zu bekommen, klingen.
Und hier noch ein Video:








Man fragt sich, wieso das Klinikum überhaupt in dieser Mediclin AG ist. Das ist doch UNSER Krankenhaus und sollte so auch verwaltet werden. Eine ziemliche Schande ist das und Politikversagen. Wo sind wir bloß hingekommen mit diesen Nichtskönnern. Wenn die könnten würden sie wohl ihre eigenen Eltern an irgend so eine AG verkaufen.
Mediclin ist ein Krankenhauskonzern der Gewinn machen muss. Also würde ein Tarifabschluss dem entgegen stehen.
Lieber ABC,
an einer solchen Situation sieht man, wie sich politische Entscheidungen auch nach 10 oder 20 Jahren als falsch herausstellen können. Alle Verantwortungsträger der Privatisierung sind jetzt in jedem Fall nicht mehr im Amt
Beste Grüße,
Johannes Arlt